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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:bsz:93-opus-20949
URL: http://elib.uni-stuttgart.de/opus/volltexte/2005/2094/


Offene Welten : die Wiener Schule im Einfamilienhausbau 1910 - 1938

Open worlds : the Vienna School of Single Family Housing 1910 - 1938

Meder, Iris

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SWD-Schlagwörter: Funktionalismus <Architektur> , Loos, Adolf , Wien / Haus Wassermann , Frank, Josef <Architekt> , Strnad, Oskar <Architekt>
Freie Schlagwörter (Englisch): Vienna , Frank, Josef , Loos, Adolf , Strnad, Oskar , Architecture , Functionalism
Institut: Institut für Kunstgeschichte
Fakultät: Philosophisch-historische Fakultät
DDC-Sachgruppe: Architektur
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Dilly, Heinrich (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 28.11.2003
Erstellungsjahr: 2004
Publikationsdatum: 13.01.2005
Kurzfassung auf Deutsch: Oskar Strnad, Josef Frank und Oskar Wlach arbeiteten nach ihrem Studium an der Wiener Technischen Hochschule seit Anfang der zehner Jahre zusammen. Ihre Konzeption von Architektur hatte mit dem neobarocken Späthistorismus ihres Lehrers Carl König ebensowenig gemeinsam wie mit Josef Hoffmann und der Wiener Werkstätte. Mit Adolf Loos verband sie dagegen nicht zuletzt der Einfluss der theoretischen Schriften Camillo Sittes. Loos, vor allem aber Strnad und Frank übertrugen Sittes städtebauliche Peinzipien auch auf Einfamilienhäuser.
Der Ausgangspunklt des Entwurfsprozessess war die Bewegungslinie zum, in das und im Gebäude. Sich allmählich steigernde Raumdimensionen führen auf die Ruhezone des Wohnraums, der "Piazza" des Hauses, hin. Ein künstlerischer Anspruch besteht dabei nicht; das Haus soll alle Möglichkeiten in sich bergen – auch die, sich "geschmacklos", aber mit persönlichen Gegenständen einzurichten –, ohne sie dem Bewohner aufzuzwingen. Eine gewisse Unordnung wird dabei als Symptom eines dynamischen Prozesses aufgefasst, als der sich das Leben und, als seine Spiegelung, das Haus versteht. Spuren dieses Prozesses können sich als Folgen etwa von Planänderungen oder Umbauten auch am Haus selbst finden. Gleichzeitig soll das Haus sich seiner Umgebung gegenüber, ganz wie ein zivilisierter Mensch, "anständig benehmen" und nicht seine Modernität marktschreierisch anpreisen. Strnad und Frank setzen sich mit dieser undogmatischen Grundeinstellung in den zehner Jahren in erster Linie vom Ästhetizismus der Wiener Werkstätte und Josef Hoffmanns ab. Seit der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre distanzierte sich Frank vor allem vom Dogmatismus des internationalen Funktionalismus des Bauhauses und Le Corbusiers.
Strnad, Frank und Wlach waren bereits seit Anfang der zehner Jahre von einem Kreis gleichgesinnter Studienkollegen umgeben, der sich ständig vergrößerte. Die Freude am theoretischen Formulieren ihrer Prinzipien war dabei ein Charakteristikum Loos' und der Wiener Schule. Seit Mitte der zwanziger Jahre schlossen sich der kleinen, aber auch international beachteten und geschätzten "Wiener Gruppe" auch einige Altersgenossen und Studienkollegen an, die zuvor eher traditionell oder in der Nachfolge der Wiener Werkstätte gearbeitet hatten. Wie bei den Begründern der Wiener Schule handelte es sich fast ausschließlich um Architekten aus dem liberalen, assimilierten jüdischen Bürgertum. Die Bauherren entstammten der gleichen Schicht wie die Architekten; oft waren sie Freunde oder Verwandte der Architekten. Auch die (ebenfalls fast ausschließlich jüdischen) Studenten von Adolf Loos bildeten einen wichtigen Teil der Wiener Schule. Der Einfluss des Lehrers Loos verband sich dabei mit dem Strnads und Franks. Seit Mitte der zwanziger Jahre kamen zu den an der Technischen Hochschule ausgebildeten Architekten Absolventen der Meisterklassen von Josef Hoffmann und Oskar Strnad an der Kunstgewerbeschule.
In ihrem undogmatischen Zugang zu architektonischen Fragen stellte die Wiener Moderne der Zwischenkriegszeit eine bisher zu wenig beachtete Alternative zum internationalen Funktionalismus dar. Architektur wurde in Wien als offenes System aufgefasst; das heißt Veränderungen, Umbauten und Erweiterungen waren ebenso Teil des Konzepts wie die Fähigkeit der Gebäude, zu altern. Dem Bewohner werden alle Möglichkeiten des Wohnens offengelassen; das Haus ist der Hintergrund seines Lebens und unterstützt ihn in einer offenen, dialektischen Weltsicht. Diese zum Prinzip des Entwurfsprozesses gemachte offene Grundhaltung beinhaltet auch eine politische Dimension; die nichtjüdischen Vertreter der Wiener Schule waren zum größten Teil sozialdemokratisch orientiert und ließen sich mit wenigen Ausnahmen nicht durch den Nationalsozialismus korrumpieren. Die Wiener Schule, so eine These dieser Arbeit, konnte mit den Gegebenheiten der Sache freier operieren als der "klassische" Funktionalismus, der formale Fragen per se negierte.
An eine stilkritische Darstellung der Wiener Schule schließt sich ein ausführlicher Architektenkatalog mit Werk- und Schriftenverzeichnissen.
Kurzfassung auf Englisch: Following their studies at the Viennese Technical College, Oskar Strnad, Josef Frank and Oskar Wlach began working together in the early 1910s. Their concept of architecture had as little in common with their teacher Carl König's neo-baroque late historicism as with Josef Hoffmann and the Wiener Werkstätte. Like Adolf Loos, however, they were to some extent influenced by the theories of Camillo Sitte. Loos, but above all Strnad and Frank, applied Sitte's principles of urban building also to single family housing.

The starting point of the design process was the linear movement towards, into, and within the building. Gradually increasing room dimensions lead to the rest area of the living space, the "piazza" of the house. No claim is made that this is artistic; the house should hold all kinds of possibilities – even that of furnishing it in a "tasteless" way, but with personal objects – without imposing any of them on the inhabitant. A certain disorder is here regarded as a symptom of a dynamic process, represented by both life and, its reflection, the house. The house itself can also display signs of this dynamic process in the results of planning changes or conversions. At the same time, the house should, like a civilised person, "behave properly" towards its environment, and not loudly and blatantly sell its modernity. With this undogmatic fundamental philosophy in the 1910s, Strnad and Frank contrasted with the aestheticism of the Wiener Werkstätte. Since the second half of the 1920s, Frank especially distanced himself from the dogmatism of the international Functionalism of the Bauhaus and Le Corbusier.
From the beginning of the 1910s, Strnad, Frank, and Wlach were surrounded by an ever-growing circle of like-minded fellow students. Writing down their theories was a characteristic of Loos and the Viennese School. From the mid 1920s, the small but internationally noticed and respected "Vienna Group" was joined by some contemporaries and fellow students who had previously worked rather traditionally or as followers of the Wiener Werkstätte. Like the founders of the Vienna School, these were almost exclusively architects of the liberal, assimilated Jewish bourgeoisie. The clients belonged to the same class as the architects; often they were friends or relatives of the architects. The (almost exclusively Jewish) students of Adolf Loos formed an important part of the Vienna School. The influence of their teacher Loos was here combined with that of Strnad and Frank. From the mid 1920s, architects who had studied at the technical college were joined by graduates from the masterclasses of Josef Hoffmann and Oskar Strnad at the arts and crafts college. With its undogmatic approach to questions of architecture, Viennese modernism between the wars, which has been given too little attention so far, presented an alternative to international functionalism. In Vienna, architecture was regarded as an open system; i. e., changes, conversions and extensions were as much part of the concept as the buildings' ability to age. All possibilities of living were left open to the inhabitant; the house is the background to his life and supports him in an open, dialectical view of the world. This open attidude as the principle of the design process also implies a political dimension; the non-Jewish members of the Vienna School were mostly Social Democrats and, with few exceptions, were not corrupted by National Socialism. According to one thesis developed in this work, the Viennese School could operate more freely with the given facts than the "classical" functionalism which denied any questions of form per se. A description focussing on the stylistic criteria of the Vienna School is followed by a concise catalogue of architects listing their works and theoretical writings.