01 Fakultät Architektur und Stadtplanung

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    Architekt Heinrich Johann Niemeyer (1936-2010)
    (2017) Treutler, Ingrid Anna; Lederer, Arno (Prof.)
    Diese Arbeit behandelt das Werk des Tübinger Architekten Heinrich Johann Niemeyer (1936-2010). Er war ein Visionär, der unbeirrt seinen eigenen Weg ging, und wie Erich Tränkner einmal formulierte, „einer der lebendigsten Architekten“. Sein Werk war bislang der Architekturgeschichte nicht zugängig. Niemeyer widmet sich vorrangig der menschlichen Behausung als ureigenste Aufgabe des Architekten. Seine Häuser bieten „ein Modell für ein qualitätvolles Leben mit der Natur“. Sie besitzen eine große innenräumliche Qualität, eine außergewöhnliche Atmosphäre. Sie sind im Zusammenspiel mit dem Außenraum gedacht, das Haus und der Garten bilden ein Ganzes, zum Wohnen gehört die Natur. Von feinem Gespür für Wohnvorgänge zeugen die Präzisierung der Grundrisse und die Raumbildungen. Die Anwendung eines Proportionssystems als selbst gewähltes Ordnungssystem ermöglicht Vielfalt bei Wahrung von Proportion und Maßstab. Charaktergebend ist eine sinnliche Materialität. Die harmonische Einfügung des Hauses in das Gelände, in die Topographie und die Vegetation, bedient ein wichtiges Erfordernis, das schon fast in Vergessenheit geraten ist. Das Haus soll in unterschiedlichen Situationen und für verschiedene Bedürfnisse dem Menschen Lebensraum bieten. Es ermöglicht Rückzug und Geborgenheit, ebenso Öffnung und Freiheit. Die Komplexität ist nicht sogleich erfassbar, es besteht »Raum für Unverhofftes« (H. Herzberger), „die Architektur ist imaginierbar“ (J. Uhl). Ein Charakteristikum seiner Architektur ist die Einbeziehung von Komplementen. Das Spiel mit Gegensätzen findet sich in den Materialien, Konstruktionen und Raumbildungen. Entscheidend ist das Zusammenwirken, der Ausgleich bewirkt Harmonie. Das Denken in Gegensätzlichkeiten charakterisiert Niemeyers Persönlichkeit, das Zusammenspiel der Komplemente ist eine Prämisse, die seine Architektur prägt. Einen großen Einfluss auf seine Architektur übte Frank Lloyd Wrights aus, Niemeyer bekannte sich zu ihm als seinen „Lehrmeister“. Das Wissen über Wrights Bauten und Schriften hatte sich in seinem Unterbewussten niedergeschlagen. Ein ausgeprägtes Raumgefühl und die Lust am Experiment führten zum Entwurf. Jedes Haus wurde individuell entwickelt, bei aller Ähnlichkeit und Variantenbildung ist alles einmalig. Neue unabhängige Entwicklungen sind die Kristall-, Appartement- und Hofhäuser ebenso wie die sakralen Entwürfe und die sozialen Bauten, oder die Ideen für das Zusammenspiel von Arbeiten und Wohnen. Mit sozialem Impetus baute Niemeyer mit Mittellosen wie für die Vermögenden und er baute für junge Familien genauso wie für die Etablierten. Seine kleinen Behausungen wie seine Villen bieten ein Wohnen ohne die Individualität aufgeben zu müssen, ohne sich in der Masse zu verlieren. An Niemeyer wendete sich, wer nicht das Durchschnittliche suchte, er hatte eine ausgewählte Klientel mit Anspruch. Ungewöhnlich war seine Einflussnahme auf den Bauherrn, sich selbst einzubringen, er animierte zur Mitarbeit auf der Baustelle. Man kann es als Anstiftung zur Aktivität, zur Kreativität, vor allem zur Identifikation des Bauherrn mit seinem Haus werten. Bei Wettbewerben hatte Niemeyer kaum Erfolg. Das wird darin begründet sein, dass er Vorgaben, die er für inadäquat befand, ignorierte und sich Spielraum nahm, den Anforderungskatalog nicht akademisch abarbeitete, sondern das Mögliche auslotend und mit Visionen gegen Kompromisslösungen antrat. Auch wenn mancher Jury-Vorsitzender für sein Herangehen Sympathie hegte, verhielt sich die Mehrzahl der Juroren ablehnend. Mancher wertete seine Beiträge als provozierend, vielleicht zu Recht. Niemeyers Bauten entstanden großteils im ländlichen Raum, vielleicht ermöglichte hier die Umsetzung seiner Ideen letztlich eine größere künstlerische Freiheit als sie in Städten zugelassen wird. Ein Geheimnis des Erfolges bei seinen Bauherren ist es, dass sich Niemeyer damit befasste, wie der Mensch empfindet. Er ging der Frage nach, wie fühle ich mich in diesen Räumen, welche Stimmungen und Assoziationen werden hervorgerufen. Niemeyer gelingt der emotionelle Ausgleich zwischen technischem Fortschritt und Sinnlichkeit. Man kann sein Werk als eine »atmosphärische Architektur« werten. Niemeyer stellte das Wohlempfinden des Menschen in den Mittelpunkt. „Man betritt das Haus und fühlt sich wohl. Insofern kann seine Architektur als Gegenmodell zu einer kalten Moderne betrachtet werden“ (Lederer). Niemeyer, der kritisiert oder ignoriert, aber auch geschätzt und bewundert worden war, fand durch seine Berufung in den Bund Deutscher Architekten, BDA, Anerkennung. Von Kollegen wurde er heimlich darum beneidet, dass er die Freiheit hatte, das zu tun, was er für richtig hielt. Er arbeitete nur soweit nach Vorschriften und Regeln, als es seine Architektur nicht beeinträchtigte und „vielleicht gerade deshalb mit dem Ergebnis einer besseren Lebensqualität, einer schöneren Atmosphäre“. Niemeyer war schon im Studium eigenständig und unangepasst, er vertrat seine eigene Meinung. Er war ein Individualist und blieb unabhängig von Modeströmungen. Bereits in den 1970er Jahren setzte er sich mit sozialen und ökologischen Problemen auseinander, als diese Themen noch nicht favorisiert wurden. Sein soziales Engagement für Hilfsbedürftige, ebenso wie sein bürgerschaftliches Engagement für seine Stadt sind beispielgebend. Zur Einbettung Niemeyers in die allgemeine Architekturgeschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden seine wichtigen Themen aufgegriffen: das Wohnen mit der Natur, die Anwendung eines Proportionssystems, das Primat des Raumes, das Experimentelle und das Unfertige. Die Bezugnahme zu einigen Protagonisten der Moderne erfolgt ausschließlich durch eine Betrachtung einzelner Aspekte, ein Vergleich mit dem Gesamtwerk würde weder den Protagonisten noch Niemeyer gerecht. Sein Werk ist eigenständig. Nach den Grundsätzen des Architekturhistorikers Sigfried Giedion gehört Niemeyer zur Dritten Generation der Moderne.
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    Der Nachlass Hartung : Ausbildung und Werk des Architekten Horst Hartung (1919 - 1990) unter besonderer Berücksichtigung der Ausbildungsjahre an der Technischen Hochschule Stuttgart
    (2012) Göhringer, Robert; Lederer, Arno (Prof. Dipl.-Ing.)
    Diese Arbeit behandelt das Oeuvre des Architekten, speziell seine universitäre Ausbildung an der Technischen Hochschule Stuttgart. Horst Hartung (1919 - 1990) war von 1938 bis 1948 (mit Unterbrechung durch Einsatz im Zweiten Weltkrieg) Student an der Technischen Hochschule Stuttgart. Zu seinem bisher unveröffentlichten Nachlass gehören Notizbücher, Vorlesungsmitschriften, Studienarbeiten, sowie sämtliche Studienentwürfe von 1946 bis 1951. In diesem Zeitraum bewahrte Hartung seine gesamten Planunterlagen und Korrekturskizzen auf und führte für jede Korrektur ein handschriftliches Gedächtnisprotokoll. Die Unterlagen vom ersten Teil des Studiums (1938 - 1940) sind größtenteils verloren, die Notizbücher aus dieser Zeit sind jedoch erhalten. Mit diesem Material als Grundlage war eine detaillierte Darstellung der Studienbedingungen möglich. Größtenteils handelt es sich um bisher unbekannte Einzelheiten zum Architekturstudium an der TH Stuttgart. Wie hat die Ausbildung vor 70 Jahren ausgesehen? Welches Rüstzeug bekam ein junger Architekt zur Zeit der berühmten „Stuttgarter Schule“ mit? Neben den in Deutschland archivierten Unterlagen der Studienzeit konnte Hartungs Nachlassarchiv (Archiv Hartung-Ashida) in Guadalajara/Mexiko vor Ort für die vorliegende Arbeit genutzt werden. Leider wurden sehr viele Unterlagen - vor allem die Pläne - durch einen Wasserschaden im Planarchiv Anfang der 1980er Jahre vernichtet. Neben den erhaltenen Beständen des Archivs Hartung-Ashida und den Unterlagen aus der Studienzeit sowie zeitgenössischen Dokumenten waren die archivierte Korrespondenz und Interviews mit Menschen, die Hartung gekannt hatten (Freunde, Mitarbeiter, Kollegen, Verwandte und Schüler) eine wichtige Grundlage der vorliegenden Arbeit. Bisher lagen keine vollständigen Verzeichnisse weder der Bauten Hartungs noch der Schriften vor. In zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen beschäftigte er sich hauptsächlich mit der Mayaarchitektur. Ein Werkverzeichnis seiner Bauten und Projekte findet sich im Anhang. Ohne Zweifel hat die „Stuttgarter Schule“, wie sich aus den Entwürfen und Notizen Hartungs ergibt, über das Kriegsende hinaus fortgedauert und wurde dann erst allmählich in den Folgejahren beendet. Hartung selbst blieb den Prinzipien der „Stuttgarter Schule“ treu und setzte sie in der sorgfältigen Art zu arbeiten sowie im peniblen Durchdenken der Planung und vor allem in der behutsamen Einbindung in die Umgebung lebenslang fort. In starkem Maße war Hartung aber durch die Architekten der Moderne, speziell durch Döcker, geprägt. Dabei darf nicht vergessen werden, dass auch Döcker seine Wurzeln in der „Stuttgarter Schule“ hatte.