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Autor(en): Gerstenberg, Martin
Titel: Dynastie, Designation und demonstratives Handeln : die Thronfolgefrage während der Herrschaft Edwards des Bekenners
Erscheinungsdatum: 2016
Dokumentart: Dissertation
Seiten: 323
URI: http://elib.uni-stuttgart.de/handle/11682/8859
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:93-opus-ds-88598
http://dx.doi.org/10.18419/opus-8842
Zusammenfassung: Diese Arbeit setzt es sich zum Ziel, die besonders von Gerd Althoff verbreitete Theorie von der Bedeutung demonstrativen und ritualisierten Verhaltens im Mittelalter auf ihre Anwendbarkeit für das England Edwards des Bekenners zu überprüfen. Zwar gibt es auf diesem Gebiet bereits reichliche Literatur, doch mit England vor der normannischen Eroberung befasst sich nur ein einzelner Artikel von Julia Barrow. Dieser zeigt, dass demonstratives Verhalten prinzipiell auch schon vor der Eroberung Englands durch Wilhelm den Eroberer und der damit verbundenen Einführung politischer Gepflogenheiten vom Kontinent nach England üblich war. Barrows Schlussfolgerung soll hier nun noch präzisiert und erweitert werden. Der erste Teil dieser Arbeit untersucht daher zunächst das demonstrative Verhalten der politisch Handelnden in England auf Basis der von Althoff und anderen erarbeiteten Erkenntnisse über demonstratives Verhalten im Karolingerreich und seinen Nachfolgern. Dies ermöglicht es uns, den relativen Mangel an zeitgenössischen englischen Quellen in gewissem Maße auszugleichen. So zeigen sich beispielsweise beim Konfliktverlauf einerseits zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen beiden Regionen, andererseits zeigen sich aber auch signifikante Unterschiede. Der zweite Teil der Arbeit befasst sich wiederum mit der Thronfolgefrage während der Herrschaft Edwards des Bekenners. Da dieses Forschungsgebiet das wohl am intensivsten bearbeitete der englischen Mediävistik ist, soll hier versucht werden, durch den kontinentalen Forschungsansatz des demonstrativen Verhaltens neue Erkenntnisse zur Interpretation dieser äußerst umstrittenen Frage beizutragen. Dabei werden wir von der Prämisse ausgehen, dass sowohl ein englischer König in der Wahl seines Nachfolgers, wie auch der englische Adel bei der schlussendlichen Königswahl nach dem Tod des Herrschers, keineswegs völlig frei war. Stattdessen gab es bestimmte Kriterien, die ein Kandidat erfüllen musste, wenn er nach den Erfordernissen der englischen Tradition für die Thronfolge in Frage kommen sollte. Um herauszufinden welche Kriterien das waren, werden zunächst die verschiedenen Thronwechsel in der Zeit von der Herrschaft Alfreds des Großen bis zur Königswahl Edgar Athelings nach dem Tod Harald Godwinsons auf dem Schlachtfeld von Hastings untersucht. Die beiden wichtigsten Kriterien waren die Zugehörigkeit zum Haus Cerdics und der Sohn eines vorangegangenen englischen Königs zu sein. Zwar spielte auch die militärische Befähigung des Kandidaten eine Rolle, allerdings war sie von geringerer Bedeutung als die ersten beiden Kriterien. Dies war der Grund warum zuweilen, wenn die Söhne eines verstorbenen Königs noch minderjährig waren - und nur dann - an ihrer Statt dessen Bruder den Thron bestieg, der ja ebenfalls die beiden oben genannten Kriterien erfüllte. Schließlich soll die Herrschaftszeit Edwards des Bekenners auf Anzeichen dafür untersucht werden, wen er als Nachfolger favorisierte. Dabei erscheint es wenig glaubwürdig, wenn die normannischen Quellen behaupten, Edward habe Wilhelm den Eroberer von Beginn seiner Herrschaft als Nachfolger favorisiert. In den ersten Jahren ruhten seine Hoffnungen zweifellos auf einem eigenen Sohn, den er durch seine Ehe mit Godwins Tochter Edith zu haben hoffte. Als dieser Wunsch durch Ediths Kinderlosigkeit und die fehlgeschlagene Scheidung im Jahr 1052 unerfüllbar geworden war, wurden Missionen nach Kontinentaleuropa entsandt, um nach dem Verbleib der Söhne Edmund Eisenseites zu forschen. Nur einer der beiden hatte überlebt, aber dieser kehrte im Jahr 1057 nach England zurück. Wenn nun Edward einen Sohn eines früheren Königs Englands aus dem Haus Cerdics, und zwar den einzigen, der noch lebte, zurück in sein Reich holen ließ, so kann er nur eines damit beabsichtigt haben: er wollte ihn zu seinem Nachfolger machen. Edward der Verbannte starb fast unmittelbar nach seiner Rückkehr nach England, doch sein Sohn überlebte. Und uns ist ein Eintrag im Liber Vitae des New Minster in Winchester aus dem Jahr 1057 überliefert, der Edward den Bekenner, Edith und Edgar Atheling, den Sohn Edwards des Verbannten, als zusammengehörige Gruppe zeigt. Dieser ist ein eindeutiges Beispiel für demonstratives Verhalten, für eine Demonstration Edwards, wer sein Nachfolger sein sollte. Er ist deshalb von so großer Bedeutung, weil es sich bei diesem Eintrag nicht um Propaganda eines Thronfolgekandidaten für sich selbst handelt, sondern um Propaganda des Erblassers zu Gunsten eines, nämlich seines favorisierten, Kandidaten. Dies würde auch erklären, warum Edward der Bekenner kurz vor seinem Tod Harald Godwinson zum Regenten ernennen sollte. Harald hatte die Position des Regenten de facto schon während des letzten Jahrzehnts von Edwards Herrschaft mit großem Erfolg und unfehlbarer Zuverlässigkeit ausgefüllt. Es ist daher nicht vermessen anzunehmen, dass Edward ihm genau dieselbe Position auch unter der Herrschaft des Kindkönigs Edgar zudachte.
This dissertation sets out to explore whether the theory of the importance of demonstrative and ritualised behaviour in the Middle Ages, championed by Gerd Althoff, is applicable to England during the reign of Edward the Confessor, from around 1042 to 1066. It also aims to see what conclusions this allows us regarding the question of succession to the throne during that same time. There is as yet only one article in this field concerning England before the Norman Conquest, written by Julia Barrow. Her article only takes some thirty pages to deal with the two and a half centuries from Alfred the Great to the Norman Conquest, so there is still much left to do. The first part of this dissertation takes a look at the demonstrative behaviour of England’s political actors, with the conclusions of Althoff and others on demonstrative behaviour in the Carolingian empire and the realms that succeeded it as a starting point to make up for the relative dearth of contemporary English sources. The high esteem in which negotiations were held is among the most obvious similarities between the two regions. During a conflict, almost incessant negotiations between the two parties were expected. But the same conflicts also reveal significant differences between England and continental Europe. Contrary to the continental custom, English nobles, when in a conflict with the king, actually left England if they were banished. There they would gather mercenary forces with which to attack and devastate the English countryside. These attacks were intended to show the king that a full reinstatement of the banished nobleman and a negotiated end to their conflict was more in the king’s interest than to fight it out until the end. The second part of this work aims at reinterpreting the question of succession during the reign of Edward the Confessor. As this particular question is among the most thoroughly explored by English medievalists, we will try to gain some new insights through the continental theory of demonstrative behaviour. In doing so we will assume that neither the king of the English, when choosing his designated heir, nor the English nobles, when electing the new king, were completely free to select whomever they wanted. Any candidate who was to be considered throne-worthy by the English public had to meet certain criteria. In order to find out what those criteria were, we will take a look at the various successions to the throne from the reign of Alfred the Great to the election of Edgar Atheling after Harold Godwinson’s death on the battlefield at Senlac. Most importantly, a candidate for the English throne had to be a member of the house of Cerdic and he had to be the son of a former king of the English. This is made obvious on the few occasions when a minor was elected king. A candidate’s military ability, while less important than the first two criteria, was of some moment too. That is why, occasionally, the minor son of a deceased king would be passed over in favour of that king’s brother. Last, we will probe Edward the Confessor’s reign for clues as to whom he preferred as his successor. The Norman sources claim that Edward wanted William the Conqueror to be his heir from the beginning of his reign, but this is highly incredible. Undoubtedly, in the first years of his reign, Edward’s hopes rested in a son that he expected to be born from his marriage to Edith, Godwin’s daughter. When Edward’s attempt at divorcing Edith failed in 1052, his wish had become impossible to fulfil because it had become obvious that Edith would not bear him children. That is why, shortly afterwards, missions were sent to continental Europe to find out the whereabouts of the sons of Edmund Ironside. Only one had survived, but he returned to England in 1057. As Edward had the son of a former king from the house of Cerdic, the only one left anywhere in the world, brought back to his realm, he must have intended him to be his successor. Edward the Exile died almost immediately upon his return, but his son, Edgar Atheling, survived. And the year of Edward’s death has left us an entry in the Liber Vitae of New Minster, Winchester that depicts Edward the Confessor, Edith and Edgar Atheling as a group. Such an entry is a demonstrative act, a demonstration by Edward whom he wanted to be his successor. Most importantly, it is not propaganda of a candidate to the throne for himself but of the testator in favour of his preferred candidate. Edgar as Edward’s heir to the throne would also explain why the king would appoint Harold Godwinson regent shortly before his death. Edgar would not be able to rule and defend his realm unaided. Harold, on the other hand, had filled the position of regent de facto for the last decade of Edward’s reign and he had done so with great success and unfailing loyalty to the king. So it is no stretch of the imagination to think that Edward intended the very same role for him under the rule of the child king Edgar.
Enthalten in den Sammlungen:09 Philosophisch-historische Fakultät

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