70 4 Test des Regelkonzeptes unter realistischen Netzbedingungen In diesem Kapitel wird von einem auf /39,40/ basierenden, extrem vereinfachten Netzdyna- mikmodell zur summarischen Nachbildung des Frequenz- und Leistungsverhalten elektrischer Verbund- und Inselnetze ausgegangen. Es dient als Testumgebung für die Untersuchung des Regelverhalten eines Kraftwerksblockes unter Berücksichtigung der netzseitigen Rückwir- kungen. 4.1 Netzdynamikmodell mit einem Ersatz-Kraftwerksblock Für die Untersuchung des Leistungsregelverhaltens von Kraftwerksblöcken sind die Frequenz *f und die Generator-Wirkleistung *GP die wesentlichen netzseitigen Schnittstellengrößen. Zur Nachbildung der Wechselwirkungen zwischen dem elektrischen Netz und den Kraft- werksblöcken erweist sich ein summarischen Netzdynamik-Modell als ausreichend, das le- diglich aus einem Gesamtverbraucher, einem summarischen Ersatz-Kraftwerksblock und den zugehörigen Regeleinrichtungen besteht, vgl. Bild 4.1. Daher kann auf ein genaue Nachbil- dung der Netzstruktur mit zahlreichen Kraftwerksblöcken, Verbrauchern und Übertragungs- leitungen verzichtet werden. Im Folgenden werden die drei Komponenten Gesamtverbraucher, summarischer Ersatz- Kraftwerksblock und Regeleinrichtungen erläutert. Der Allgemeingültigkeit wegen erfolgt die Betrachtung anhand von Prozessgrößen, die durch den Bezug auf ihre Nenngrößen dimensionslos sind und sich folglich im Bereich zwischen 0 und 1 bewegen. Aufgrund dessen sind bezogene Frequenz *f und Drehzahl *n gleich, auch wenn die tatsächlichen Drehzahlen aufgrund von Getriebe-Übersetzungsverhältnissen oder Polpaarzahlen 1≠ unterschiedlich sind. Die elektrische Leistung ist auf die jeweilige Nennleistung bezogen. Diese ist ca. 10% größer als die in Tabelle 4.1 angegebene Gesamtlast. Für eine maximale Störleistung von GW3PZ =∆ ergibt sich damit die maximale prozentuale Störleistung - bei Schwachlastbetrieb zu %2GW150GW3P*Z ==∆ und - bei Starklastbetrieb zu %1GW300GW3P*Z ==∆ . Elektrischer Verbrauch [GW] 20. August 1997 19.Dezember 1997 3.00 h morgens 135.7 199.7 11.00 h morgens 204.9 262.9 Maximum 210.9 272.5 Tabelle 4.1: Elektrische Last im europäischen Verbundnetz 1997 /41/ 71 * pr,Soll1G P∆ * sec,Soll1G P∆ )0(P*1T * 1GP a) Ersatz-Kraftwerksblock (1) b) Netz-Eigendynamik (ungeregelt) Sekundär- Regler 1sec 1 * N 100K δ = NDT,1 α− HDT,α pfkANT f 100 δ Primär- Regler 0N 0Pr P P - * 1TP *f∆ 1f *Soll = ** fn = 1f *0 = Dynamik des sekundär- geregelten Blockes Pr im är - Re ge lu ng Se ku nd är - Re ge lu ng * sec,1TP∆ * pr,1TP∆ - - -- * VP * Z * V P)0(P ∆+ * 1BP∆ Bild 4.1: Summarisches Frequenz-Wirkleistungsmodell des elektrischen Verbundnetzes /39,40/ 4.1.1 Summarischer Ersatz-Kraftwerksblock /39,40/ Wie schon in Kapitel 3 dargelegt, bewirkt eine Erhöhung der Soll-Leistung * pr,Soll1GP∆ durch die Öffnung des Frischdampfventils *Ty einen fast unverzögerten Anstieg des Hochdruck (HD)-Leistungsanteils α , während die Erhöhung des Niederdruck (ND)-Leistungsanteils α−1 durch den Zwischenüberhitzer verzögert wird. Dabei wird vorausgesetzt, dass die Blockführung die Dampferzeugerleistung *DEQ derart an- passt, dass die Leistungserhöhung auch mittel- und langfristig sichergestellt ist. 72 4.1.2 Ungeregeltes Netz Da die Trägheit des elektrischen Übertragungsnetzes vernachlässigbar klein ist, gilt zu jedem Zeitpunkt das Gleichgewicht zwischen der durch den Generator erzeugten Leistung *GP und der durch den Verbraucher abgenommenen Leistung *VP . Wenn eine Störung *ZP∆ - z.B. durch das Zuschalten eines weiteren Verbrauchers - auftritt, erhöht sich deswegen augenblicklich die Generatorleistung *GP um den entsprechenden Be- trag. Dies gilt unter der hier zulässigen Annahme einer ideal wirkenden Spannungsregelung. Damit wird dem Generator mehr Leistung entnommen als in der Turbine erzeugt wird. Dieses Ungleichgewicht wird durch das Abbremsen aller rotierenden Massen in den Turbosätzen und motorgetriebenen Antriebsmaschinen ausgeglichen. Gemäß dem Drallsatz GTrot MMdt dJ −=ω folgt mit ω⋅= MP GGTGTrot PPPMMdt dJ ∆=−=ω−ω=ωω und beim Übergang auf bezogene Größen  ( ) 0N G0 1 0 rotT 0N 2 0rot P P dt d P J ∆ = ωω ω ωω ≈  . Da in dieser Betrachtung lediglich das mittlere Frequenzverhalten von Interesse ist, kann die Summation über alle am Netz rotierenden erzeuger- und verbraucherseitigen Schwungmassen erfolgen, die im Falle eines Leistungsdefizits abgebremst werden und dadurch Rotationsener- gie ausspeichern. Das individuelle Frequenzverhalten der einzelnen Kraftwerksblöcke, das zu überlagerten lokalen und globalen Netzpendelungen führt /48/, bleibt damit unberücksichtigt. Die Summation über alle am Netz rotierenden erzeuger- und verbraucherseitigen Schwung- massen ergibt: ( )    * * 1 0 ,0 1 , GAN P n i N iG dt dfT n i irot P P dt dT ∆ ==  ∆ =⋅ ωω * * BAN Pdt dfT ∆= Die Integration liefert die in Bild 4.1 dargestellte Beziehung  τ∆+= t 0 * B AN dP T 1)0(*f)t(*f Die sogenannte Netzanlaufzeitkonstante TAN repräsentiert die Trägheit aller erzeuger- und verbraucherseitigen rotierenden Schwungmassen. Mit dem Sinken der Drehzahl *n und damit 73 auch der Netzfrequenz des *f tritt der so genannte „Verbraucher-Selbstregeleffekt“ in Er- scheinung, der darauf beruht, dass die Leistungsaufnahme dynamischer Verbraucher wie mo- torgetriebener Pumpen oder Verdichter drehzahl- und somit frequenzabhängig ist. Der Koeffi- zient pfk beschreibt die Größe dieses „Verbraucher-Selbstregeleffektes“. Die Netzfrequenz *f sinkt aufgrund dieses Einflusses nur so lange, bis sich auf einem erniedrigten Niveau ein neues stationäres Gleichgewicht zwischen Erzeugung *TP und Verbrauch * VP einstellt. Wie in Bild 4.1 angedeutet, lässt sich das dynamische Verhalten des gesamten ungeregelten elektrischen Netzes durch die beiden Parameter TAN und pfk charakterisieren. Mehrjährige experimentelle Untersuchungen /39,49/ haben ergeben, dass sTs AN 1210 << und %/%1k pf = gilt. In Bild 4.2 ist das Verhalten des elektrischen Verbundnetzes für einen sprungförmigen An- stieg der Verbraucherleistung von %2P*Z =∆ dargestellt. Im fiktiven Fall des ungeregelten Netzes sinkt die Frequenzabweichung in Bild 4.2a ab, um schließlich bei t = 80 s den durch den Verbraucherselbstregeleffekt bedingten stationären Endwert von -1000 mHz zu erreichen. Da keine Regler aktiviert sind, verharrt der Wert der Turbinenleistung in Bild 4.2c auf seinem Anfangsniveau. Bild 4.2b zeigt, dass die Verbraucherleistung *VP und damit auch die Gene- ratorleistung *GP zunächst sprunghaft um 2% ansteigen und dann aufgrund des mit abnehmen- der Frequenz wirksam werdenden Verbraucherselbstregeleffektes wieder auf 0% absinken. 4.1.3 Regeleinrichtungen Ein im Falle größerer Netzstörungen weiteres Absinken der Netzfrequenz *f und damit auch der Turbinendrehzahlen *n in den Bereich der Eigenfrequenzen der großen ND-Turbinen- schaufeln hätte massive Schäden an diesen Schaufeln zur Folge /42/. Deswegen ist die Fre- quenz laut /43/ mit Hilfe der schnellen, proportional wirkenden Primärregelung stationär auf einen Wert von mHz180f * −≥∆ abzufangen und mit der integral wirkenden Sekundärrege- lung bleibend auszuregeln. In Bild 4.2 sind zusätzlich die Verläufe eingezeichnet, wenn neben dem Verbraucherselbstregeleffekt von %/%1k pf = die Primär- bzw. Primär- und Sekundär- regelung aktiviert werden. Neben der eigentlichen Reglerverstärkung von f100 δ wird im summarischen Netzdyna- mikmodell mit dem Faktor %50PP 0N * Pr = berücksichtigt, dass sich nur ca. die Hälfte der Kraftwerksblöcke an der Primärregelung beteiligt. Der Primärregler fängt den Frequenzabfall dynamisch bereits bei -289 und stationär sogar bei -165 mHz ab. Er bewirkt eine Leistungserhöhung von 1.67 %, die die 2% sprungförmige Störleistung bereits bis auf 0.33% kompensiert, siehe Bild 4.2b-c. 74 Bild 4.2: Verhalten des Verbundnetzes bei einem 2%igen sprungförmigen Leistungsdefizit: Verbraucherselbstregeleffekt kpf=1%/% /49/, unbegrenzte Sekundenreserveleistungs-Vorhaltung -20 0 20 40 60 80 100 120 140 160 180 200 -0.5 0 0.5 1.5 2 2.5 c) Erzeugungsänderung ∆PT * [%] Zeit [s] -0.5 0 0.5 1.5 2 2.5 b) Verbrauchsänderung ∆PV * [%] -1000 -800 -600 -400 -200 0 a) Abweichung der Netzfrequenz ∆f [mHz] primärgeregelt primär- und sekundärgeregelt ungeregelt, nur Verbraucher-Selbstregeleffekt ∆PZ * ∆PZ * fmax -290 mHz∆ = ∆PG * ~~ ungeregelt, nur Verbraucher-Selbstregeleffekt primär- und sekundärgeregelt primär- und sekundärgeregelt primärgeregelt ungeregelt, nur Verbraucher-Selbstregeleffekt 1.67% 75 Der Einfluss des Sekundärregler macht sich aufgrund der mit s60TN = recht trägen Ein- stellung erst nach t = 20 s bemerkbar. Dadurch wird die maximale Frequenzabweichung im Vergleich zum ausschließlichen Einsatz des Primärreglers nur geringfügig von -290 mHz auf -286 mHz reduziert; die bleibende Abweichung geht aber wegen des I-Verhaltens des Sekun- därreglers bereits nach wenigen Minuten gegen null. Dies bedeutet auch, dass die Verbrau- cherstörung dann fast vollständig durch die Erhöhung der Turbinen- und Generatorleistung kompensiert wird. Angesichts der langsamen Änderung der Sekundärleistung spielt die Dynamik der sekundär- geregelten Blöcke keine nennenswerte Rolle. Bild 4.3: Verhalten des Verbundnetzes bei einem 2%igen sprungförmigen Leistungsdefizit: Verbraucherselbstregeleffekt kpf=1%/% , Sekundenreserveleistungs-Vorhaltung gemäß DVG-Empfehlung /43/ Die Verläufe für den Fall mit Primär-, aber ohne Sekundärregler zeigen, dass die dynamische Abweichung noch sehr weit von ihrem kritischen Wert von 800 mHz entfernt ist. Aus diesem -1000 -800 -600 -400 -200 0 a) Abweichung der Netzfrequenz ∆f [mHz] -20 0 20 40 60 80 100 -0.5 0 0.5 1.5 2 2.5 b) Leistungsänderungen ∆P* [%] Zeit [s] Störleistung Generator-/ Verbraucherleistung Erzeugerleistung ∆fmax = -562 mHz 76 Grunde und weil die Reservevorhaltung teuer ist, hat die Zusatzleistung lt. DVG nur noch rampenförmig innerhalb von 30s auf ihren Maximalwert anzusteigen /43/. In Bild 4.3 ist das entsprechende Netzverhalten für einen Verbraucher-Selbstregeleffekt von %/%1k pf = dargestellt. Wegen der Begrenzung des Leistungsgradienten steigt die Fre- quenzabweichung zwar von -290 mHz auf -562 mHz an, bewahrt aber immer noch einen gro- ßen Abstand zum lt. /43/ zulässigen Minimalwert von -800 mHz. Die stationäre Frequenzab- weichung beträgt wieder -165 mHz. Bei der Festlegung ihrer Vorgabe ging die DVG von der Worst-Case Annahme aus, dass der Verbraucher-Selbstregeleffektes nur %/%5.0=pfk beträgt /43/. Ein dynamisches Absinken um mehr als -800 mHz wird auch in diesem Fall vermieden, wenn die 2% Zusatzleistung wie gefordert rampenförmig innerhalb der ersten 30s bereitgestellt werden, vgl. Bild 4.4. Bild 4.4: Verhalten des Verbundnetzes bei einem 2%igen sprungförmigen Leistungsdefizit: => Verbraucherselbstregeleffekt kpf=0.5 %/% , => Sekundenreserveleistungs-Vorhaltung gemäß DVG-Empfehlung /43/ -1000 -800 -600 -400 -200 0 a) Abweichung der Netzfrequenz ∆f [mHz] -20 0 20 40 60 80 100 -0.5 0 0.5 1.5 2 2.5 b) Leistungsänderungen ∆P* [%] Zeit [s] Störleistung Generator-/ Verbraucherleistung Erzeugerleistung ∆fmax = -781 mHz 77 4.2 Test des Regelkonzeptes bezüglich des Ausregelns von Netzstörungen => Verbraucherleistungsstörung im Verbundnetz Das in Kapitel 4.1 vorgestellte Ersatz-Netzdynamikmodell, welches das mittlere Netz-Fre- quenz-Verhalten aller primär- und sekundärgeregelten Blöcke summarisch berücksichtigt, wird nun derart erweitert /40/, dass es zum Test eines zusätzlichen primärgeregelten Kraft- werksblockes verwendet werden kann, vgl. Bild 4.5. * pr,Soll1G P∆ * sec,Soll1G P∆ )0(P*1T * 1GP a) Ersatz-Kraftwerksblock (1) b) Netz-Eigendynamik (ungeregelt) Sekundär- Regler 1sec 1 * N 100K δ = NDT,1 α− HDT,α pfkANT ** fn = 1f*0 = f 100 δ Primär- Regler 0N 0Pr P P - * Sollf * Z * 0V PP ∆+ * 1TP *f∆ 0N 10 P P * 2GP 0N 20 P P Test- Kraft- werks- block * 2TP c) Test-Kraftwerksblock (2) * BP∆ *BP∆ Bezugsgröße P10 Bezugsgröße PN0 Bezugsgröße P20 * sec,1TP∆ * pr,1TP∆ Dynamik des sekundär- geregelten Blockes - - - -- Pr im är - Re ge lu ng Se ku nd är - Re ge lu ng Bild 4.5: Summarisches Frequenz-Wirkleistungsdynamikmodell zum Test des Kraftwerks-Regelkonzeptes bei netzseitigen Leistungsstörungen Der Bereich „a) Ersatzkraftwerksblock“ bleibt unverändert, er umfasst das gesamte Verbund- netz bis auf jenen Leistungsanteil, der vom Testblock geliefert wird.1 Bei der Berechnung der gesamten Erzeugerleistung des Netzes müssen nun die Leistungen des summarischen Ersatz- blockes und des Test-Kraftwerksblockes addiert werden. Hierzu werden die beiden Größen an der netzseitigen Schnittstelle vom jeweiligen kraftwerksbezogenen in das gemeinsame netz- bezogene Bezugssystem 0NP umgerechnet. Die Differenz zwischen Summen-Turbinen- und 1 In /29/ wurde zudem gezeigt, dass das vorgestellte Blockregelkonzept auch beim Übergang vom Verbund- in den Inselbetrieb anwendbar ist. Hierzu ist im summarischen Netzdynamikmodell P10/PN0 = 0 und P20/PN0 = 1 zu setzen. 78 Verbraucherleistung ergibt die Beschleunigungsleistung *BP∆ , die bei bezogener Betrachtung für beide Kraftwerksblöcke identisch ist. Die individuellen Generatorleistungen ergeben sich damit als Differenz der jeweiligen Turbinen- *iTP und Beschleunigungsleistung * BP∆ . Unter Zugrundelegung dieses erweiterten Netzdynamikmodells ist nachfolgend das Regelver- halten des in Kapitel 2 und 3 betrachteten Test-Kraftwerksblockes am Netz veranschaulicht. Dabei beträgt die Nennleistung des Restverbundnetzes P10 = 150 GW und die des Testblockes 0.5 GW. Eine sprungförmige 2%ige Verbraucherstörung verursacht den in Bild 4.6a darge- stellten Frequenzverlauf, der nach 10 s sein Minimum bei –430 mHz erreicht und nach einem leichten Überschwinger wieder auf sein stationäres Anfangsniveau einschwingt. Der unter- schiedliche Netzfrequenzverlauf im Vergleich zu Bild 4.3 beruht darauf, dass der große Er- satzkraftwerksblock (1) in Bild 4.5 und 4.6 ein – der Realität entsprechendes - schnelleres Primärregelverhalten aufweist als von der DVG gefordert und in Bild 4.3 zugrunde gelegt. Die Turbinenleistung des Testblockes reagiert auf die 2%ige Verbraucherstörung mit einem linearen Anstieg auf 1.25% nach 21 s, der dem von der DVG vorgegebenen Gradienten ent- spricht. Aufgrund der Gradientenbegrenzung ergibt sich nach dem Absinken der Turbinen- leistung bis zum Zeitpunkt t = 40 s ein geringer Wiederanstieg der Leistung zwischen 40 und 50 s. Anschließend sinkt die Turbinenleistung wegen des Anstiegs der Frequenz wieder auf ihr Anfangsniveau ab. Der Testblock wird in diesem Fall ohne Androsselung eingesetzt, d.h. er muss die zusätzliche Leistung allein durch die Reservemaßnahme 4 „Vorübergehende Deaktivierung der Heizkondensatoren“ aufbringen. Diese sinkt daher von %6.13QH = auf 9.2% ab. Bei einer konstanten Rücklauftemperatur von 60°C und konstantem Heiznetzmas- senstrom bedeutet das eine maximale Absenkung der Vorlauftemperatur von 110°C auf 91°C. Die geringen Auswirkungen auf das Heiznetz selbst für diesen Sommerlastfall mit nur 75 MW Wärmeleistung belegt Bild 4.7. Die vorübergehende Absenkung der Vorlauftemperatur am Netzanfang kommt an den Netzendpunkten kaum an, und hat somit auf die Raumtempe- raturen oder Drücke erst recht keinen Einfluss. 79 Bild 4.6: Regelverhalten des primärgeregeltenTest-Kraftwerksblockes bei einem 2%igen sprungförmigen Netz-Leistungsdefizit => ausschließlicher Einsatz der Reservemaßnahme 4 „Vorübergehende Deaktivierung der Heizkondensatoren“ -0.5 0 0.5 1 1.5 2 b) Leistungsänderung ∆PT * [%] -500 500 a) Abweichung der Netzfrequenz ∆f [mHz] -20 0 20 40 60 80 100 120 140 160 180 200 0 5 10 15 c) Wärmeleistung und Vorlauftemperatur QH * [%] Zeit [s] 60 85 110 ϑVL [°C] 80 Bild 4.7: Regelverhalten des primärgeregelten Test-Kraftwerksblockes bei einem 2%igen sprungförmigen Netz-Leistungsdefizit => Auswirkungen auf das Heiznetz 60 70 80 90 110 120 130 140 0 100 200 300 400 500 3 4 6 7 8 Zeit [min] 19 19.5 20.5 21 HKW1 1.HL NEP5 NEP2 NEP4 600 NEP1 a) Vorlauftemperatur b) Raumtemperatur c) Druck ϑVL [°C] ϑR [°C] p [bar] 81 4.3 Netzdynamikmodell mit zwei Ersatz-Kraftwerksblöcken => Verbraucherstörung im großen Restverbundnetz Um die Nutzungsmöglichkeit der Maßnahme 4 „Vorübergehende Deaktivierung der Heizkon- densatoren“ auch für den zweiten Anwendungsfall, die Ausregelung von Übergabeleistungs- spitzen, zu veranschaulichen, muss das summarische Netzdynamik-Modell aus Bild 4.1 zu- nächst auf zwei Netze erweitert werden. Dann ergibt sich die in Bild 4.9 dargestellte Modell- struktur, die bis auf die Anordnung der Schalter SI und SII symmetrisch aufgebaut ist. α) Ein-Ebenen-Sekundärregelung von Frequenz und Austauschleistung Die Netze beteiligen sich gleichberechtigt an der Regelung der Frequenz und Austauschleis- tung. Dieser Fall entspricht bezüglich des Netzes 2 vereinfacht betrachtet z.B. der Teilnahme Deutschlands (Fall α1 ) oder des EnBW-Netzes (Fall α2 ) am Verbundbetrieb. Bild 4.8: Hierarchische Anordnung und Schnittstellen der verschiedenen Netze β) Hierarchische Sekundärregelung von Frequenz und Übergabeleistung β1) Längerfristige Frequenzregelung durch beide Teilnetze Das größere Netz 1 regelt ausschließlich die Frequenz; das andere Teilnetz 2 regelt die ver- einbarte Übergabeleistung *2A * Ü PP ∆=∆ . Da der frequenzabhängige Leistungseinfluss weiter- hin auf den Sekundärregler des Netzes 2 aufgeschaltet ist, beteiligt sich das Netz 2 auch län- gerfristig, d.h. bis zur bleibenden Ausregelung der Netzstörung, an der Primärregelung. Dieser Fall entspricht wiederum vereinfacht betrachtet dem Zusammenwirken von UCTE- und NWS-Netz im Verbundbetrieb. Verbundnetz "UCTE" α1 α2 β1 / β2 Netz 2 "Deutschland" Netz 2.2 z.B. "EnBW" Netz 1 "Restverbundnetz" Teilnetz 2.2.2 z.B. "NWS" 82 - * pr , Soll 1 G P ∆ *1 G P a) Ersatz-K raftw erksblock (1) b) N etz-Eigendynam ik (ungeregelt) Sekundär- R egler 1 sec 1 *N 100 K δ = N D T, 1 α − H D T, α pf k AN Tf 100 δ Prim är- R egler 0 N 10 Pr P P  - *1 T P 0 N 10 P P c) Ersatz-K raftw erksblock (2) *B P ∆ B ezugsgröße P 10 B ezugsgröße P N 0 B ezugsgröße P 20 * sec , 2 Soll G P ∆ Sekundär- R egler 2 sec 2 *N 100 K δ = H D T, α f 100 δ 0 N 20 Pr P P  * pr , Soll 2 G P ∆ N D T, 1 α − 0 N 10 P P 0 N 20 P P 0 N 20 P P *2 G P * Soll 2 A P * Soll 1 A P - - - - *B P ∆ *2 T P 1 f *Soll = 1 f *0 = S I S II * f ∆ ) 0( P *1 T * sec , 1 T P ∆ * pr ,1 T P ∆ * sec , 2 T P ∆ ) 0( P *2 T * pr ,2 T P ∆ - - * * f n = - - - *B P ∆ *1 Z *10 V P P ∆ + *1 V P *2 Z *20 V P P ∆+ *2 V P ∆P*f1 ∆P*f2 * sec , 1 Soll G P ∆ Fall S I S II N etz 1 (Teil-) N etz 2 B em erkungen α 1 /α 2 1 1 *1A P∆ , * f∆ *2 A P∆ , * f∆ T1 und T2 dezentral, gleichberechtigt β 1 0 1 - * f∆ *Ü *2A P P ∆ = ∆ , * f∆ T1 ist T2 übergeordnet, T2 nim m t längerfristig an Frequenzregelung teil β 2 0 0 - * f∆ *Ü *2A P P ∆ = ∆ - T1 ist T2 übergeordnet, T2 nim m t kurzfristig an Frequenzregelung teil B ild 4.9: Sum m arisches Frequenz-W irkleistungsm odell m it zw ei T eilnetzen 83 β2) Längerfristige Frequenzregelung nur durch das übergeordnete Teilnetz 1 Dieser Fall unterscheidet sich von Fall β1 darin, dass der Sekundärregler des Teilnetzes 2 nur die Übergabeleistung *ÜP∆ regelt, ohne den frequenzabhängigen Leistungseinfluss zu berück- sichtigen. Dadurch wird der Einfluss der Primärregelung, der sich bei einem Leistungsdefizit im Teilnetz 1 in der Übergabeleistung von Teilnetz 2 an Teilnetz 1 äußert, durch das Entge- genwirken des übergeordneten Sekundärreglers mittel- und langfristig kompensiert. Die Berechnungsergebnisse bei einer Verbraucherstörung %2P*Z =∆ in Netz 1, d.h. im gro- ßen Restverbundnetz) sind für die vier Fälle in Bild 4.10 dargestellt. Als Gesamtlast des Ver- bundnetzes wird ein Schwachlastfall mit einer Leistung von 150 GW zugrunde gelegt. Um die Beteiligung der einzelnen Netze an der Primärregelung zu verdeutlichen, wird in erster Linie der Fall betrachtet, dass Netz 1 nicht in der Lage ist, die 2%ige Störung mit Hilfe seiner Sekundärregelung zu kompensieren, sondern von den 3GW Störung nur 2 GW zusätzlich zur Verfügung stellen kann. Das stationäre Leistungsdefizit von 1GW oder 0.67% führt zu einer bleibenden Frequenzabweichung von 56 mHz, vgl. Bild 4.10a. Der gestrichelte Frequenzver- lauf ergibt sich, falls keine Begrenzung der Sekundärleistung vorliegt. Aus Teilbild b geht hervor, wie die 2%ige Störung *ZP∆ über den Zeitraum von 200 s ausge- regelt wird. Zunächst wird das Leistungsdefizit vollständig durch die Beschleunigungsleis- tung *BP∆ , d.h. durch das Abbremsen der Schwungmassen ausgeglichen. Mit dem Absinken der Frequenz übernehmen die Verbraucher aufgrund des Verbraucherselbstregeleffektes * VSREP∆ und die Erzeuger mit den Primär- und Sekundärreglern das Abfangen und Aus-regeln dieser Störung. Die gestrichelt eingezeichneten Verläufe „ohne Begrenzung der Sekundärleistung“ zeigen, dass die Summen-Primärregelleistung *PrP∆Σ der beiden Netze mit dem Wiederanstieg Fre- quenz wieder auf null absinkt, während die Summen-Sekundärregelleistung *SecP∆Σ nach 200 s die Störung vollständig ausgleicht. Die Sekundärleistung wird mittelfristig allein vom ge- störten Netz 1 aufgebracht, wie der gestrichelte Verlauf der Austauschleistung * 2,2.2AP α∆ in Teilbild c belegt, der nach 200 s wieder auf null zurückkehrt. Das bedeutet, dass das Netz 2.2 sich dann nicht mehr an den Ausregelung der Störung beteiligt. Anders sieht der Sachverhalt aus, wenn die Sekundärregelung des gestörten Netzes 1 die Lei- stungsstörung aufgrund unzureichender Reserve nicht voll ausregeln kann. Das verbleibende Leistungsdefizit wird dann auch mittelfristig durch die Primärregler beider Netze und den Verbraucherselbstregeleffekt kompensiert. Die stationäre Beteiligung des ungestörten Netzes an der Ausregelung der Störung zeigt Teilbild c für die Fälle α2 und β1. 84 Bild 4.10: Ausregeln einer 2% Störung in Netz 1 (N1): α1/α2: N1 und N2/N2.2 dezentral, gleichberechtigt, β1: N2.2 ist N2.2.2 übergeordnet, N2.2.2 nimmt auch längerfristig an Primärregelung teil β2: N2.2 ist N2.2.2 übergeordnet, N2.2.2 nimmt nur kurzfristig an Primärregelung teil -1 -0.5 0 0.5 1 1.5 2 2.5 3 b) Leistungsänderung ∆P* [%] -500 500 a) Abweichung der Netzfrequenz ∆f [mHz] -20 0 20 40 60 80 100 120 140 160 180 200 0 20 40 60 100 120 140 160 c) Änderung der Austauschleistung ∆PA [MW] Zeit [s] Σ ∆PSec * Σ ∆PVSRE * ∆PB * Σ ∆ PPr * ∆PZ * ∆PÜ2.2.2,β1 ∆PÜ2.2.2,β2 ∆PA2.2,α2 * * * mit ohne } Begrenzung derSekundär-Reserveleistung 85 Die Austauschleistungen der Netze steigen beim Eintritt der Störung jeweils sprungförmig um 2% ihrer Nennleistung an und sinken dann langsam auf den stationären Endwert ab, der sich aus der bleibenden Beteiligung an der Primärregelung ergibt. Im Fall β2 hingegen sorgt der Sekundärregler des regionalen Teilnetzes 2.2.2 dafür, dass die Übergabeleistung seines Netzes wieder auf null zurückgeht und das Teilnetz 2.2.2 sich somit mittelfristig nicht mehr an dem Ausregeln der Störung beteiligt. Dies beruht darauf, dass der Sekundärregler des Teilnetzes 2.2.2 in diesem Fall nur die Übergabeleistung, d.h. ohne die erforderliche Berücksichtigung des Frequenzeinflusses, regelt. 86 4.4 Test des Regelkonzeptes bezüglich der Ausregelung von Übergabe- Leistungsspitzen => Verbraucherleistungsstörung im kleinen Teilnetz 2 Da es in der vorliegenden Arbeit auch um den Einsatz kraft-wärmegekoppelter Blöcke zur Regelung der Übergabeleistung geht, ist in Bild 4.11 das im vorigen Abschnitt beschriebene Zwei-Ersatz-Kraftwerksblock-Netzdynamik-Modell um den Testblock und seine Schnittstelle mit Teilnetz 2 ergänzt worden. Neben der aufgeschalteten Frequenzabweichung wird der Testblock auch durch die von ihm bereitzustellende Übergabeleistung beeinflusst. Die einge- zeichnete Schnittstelle entspricht derjenigen in Bild 3.1. In Bild 4.11 ist der Fall dargestellt, dass der Testblock den Anteil der Sekundärleistung übernimmt, der von den anderen Blöcken des Teilnetzes 2 nicht erbracht werden kann. Grundlage der im folgenden näher beschriebenen zwei Anwendungsfälle ist jeweils eine Stö- rung von MW100P 2.2Z =∆ im nur 2 GW großen Teilnetz 2.2, d.h. %5P * 2Z =∆ . Die elektri- sche Leistung des Testblockes beträgt knapp PG=500 MW bei einer gleichzeitigen Wärme- auskopplung von MW173QH = . Zudem wird ein Schwachlastbetrieb des Verbundnetzes mit 150 GW angenommen. 4.4.1 Verbundbetrieb ohne Inanspruchnahme des Testblockes zur Regelung der Übergabeleistung Zur Sekundärregelung des Teilnetzes 2.2 steht ein Wasserkraftwerk mit 120 MW zur Verfü- gung, das zum Zeitpunkt der 100 MW Netzstörung im unteren Lastbereich betrieben wird. Bild 4.12a zeigt die Auswirkungen dieser Störung auf die Leistungsverläufe des Wasserkraft- werkes und des Testblockes sowie auf die Austauschleistung, jeweils bezogen auf die Ge- samtleistung von Teilnetz 2.2.2. Durch die sprungförmige 5% Störung im Teilnetz 2.2 steigt die Austauschleistung ebenfalls sprungförmig an, jedoch nicht um 5%, sondern nur um 4.93%, da sich auch das Teilnetz 2.2.2 anteilsmäßig an der Ausspeicherung von Rotations- energie und der Primärregelung beteiligt. Nach 300 s ist die Störung durch die Leistungserhö- hung des Wasserkraftwerkes vollständig ausgeglichen, so dass die Austauschleistung zwi- schen den beiden Netzen wieder auf null zurückgeht. Bei der Leistung des Wasserkraftwerkes von 120 MW ergibt sich ein üblicher Leistungsgradient von 1 %/s /44/. Der Testblock ist von der Störung nur durch seine Primärregelung betroffen. Da die Störung jedoch nur %067.0P*Z =∆ der Gesamtleistung ausmacht, bleibt der Frequenzabfall mit maxi- mal 9 mHz äußerst gering, vgl. Teilbild b. Dementsprechend niedrig fallen auch die Erhöhung der elektrischen und die entsprechende Absenkung der Wärmeleistung des Testblockes aus. Die Auswirkungen auf das Heiznetz sind vernachlässigbar. 87 B ild 4.11: T estum gebung für den K raftw erksblock: Sum m arisches Frequenz-W irkleistungsm odell m it zw ei T eilnetzen, R egelung der Ü bergabeleistung zum T eil durch den T estblock c) Ersatz-K raftw erksblock (2.1)* sec ,1 ,2 T P ∆ )0 ( P * 1, 2 T d) Testblock (2,2) - * pr , Soll 1 G P ∆ *1 G P a) Ersatz-K raftw erksblock (1) b) N etz-Eigendynam ik (ungeregelt) 1 sec 1 *N 100 K δ = N D T, 1 α − H D T, α pf k AN Tf 100 δ Prim är- R egler 0 N 10 Pr P P  - *1 T P 0 N 10 P P *B P ∆ B ezugsgröße P 10 B ezugsgröße P N 0 B ezugsgröße P 20 2 sec 2 *N 100 K δ = H D T, α f 100 δ 0 N 20 Pr P P  * pr , Soll 2 G P ∆ N D T, 1 α − 0 N 10 P P 0 N 20 P P 0 N 20 P P *2 G P * Soll 1 A P - - - *B P ∆ *2 T P 1 f *Soll = 1 f *0 = S I * f ∆ ) 0( P *1 T * sec , 1 T P ∆ * pr ,1 T P ∆ * pr ,2 T P ∆ - - * * f n = - - - *B P ∆ *2 Z *20 V P P ∆ + *2 V P *1 Z *10 V P P ∆ + *1 V P - 20 0 N P P 0 N 20 P P Test- block * 2, 2 T P * 2, 2 Ü P ∆ W K W 2.1 * sec , 2 Soll G P ∆ Sekundär- R egler * Soll 2 A P - S II * 2, 2 G P - Sekundär- R egler ∆P*f1 ∆P*f2 * sec , 1 Soll G P ∆ 88 Bild 4.12: Verbundbetrieb ohne Inanspruchnahme des Testblockes zur Regelung der Übergabeleistung => Verbraucherleistungszuschaltung 2.2.2,ZP∆ = 100 MW im 2GW großen Teilnetz 2.2.2 -6 -4 -2 2 4 6 ∆PT * [%] a) Leistungsänderung Austauschleistung Wasserkraftwerk Testblock Störung -20 0 20 40 60 80 100 120 140 160 180 200 0 5 10 15 25 30 35 c) Wärmeleistung und Vorlauftemperatur Zeit [s] 65 95 125 ϑVL [°C] QH * [%] o -30 -20 -10 10 20 30 b) Abweichung der Netzfrequenz ∆f [mHz] ∆P*V2 ∆P*T1 ∆P*T2.2.2 ∆P*T2.2.1 89 4.4.2 Verbundbetrieb mit Inanspruchnahme des Testblockes zur Regelung der Übergabeleistung Im Gegensatz zu dem ersten Anwendungsfall wird nun vorausgesetzt, dass das für die Sekun- därregelung im Teilnetz 2 eingesetzte Wasserkraftwerk lediglich über eine maximale Regel- leistung von 80 MW verfügt und somit vom Testblock unterstützt werden muss. Da sich im Vergleich zum vorigen Fall nur die Art der Sekundärregelung im Teilnetz 2 ändert, sind die Auswirkungen auf das elektrische Verbundnetz während der ersten 200 s weitgehend iden- tisch. Um zu untersuchen, ob diese Unterstützung auch über einen längeren Zeitraum möglich ist, wird eine 30-minütige Störung betrachtet. Jetzt kann das Wasserkraftwerk nur 80 MW, d.h. 4% bezogen auf Teilnetz 2 aufbringen. Nach 100 s muss daher der Testblock eingreifen und die verbleibenden 20 MW bzw. 1% Leistung bereitstellen, vgl. Bild 4.13. Damit beteiligt er sich an der Sekundärregelung, bis die Störung nach einer halben Stunde wieder verschwindet bzw. anderweitig ausgeglichen wird. Die posi- tive Frequenzabweichung nach 1800 s ist auf den vorübergehenden Leistungsüberschuss zu- rückzuführen, der durch das schlagartige Ende der Störung zu diesem Zeitpunkt entsteht. Wie in Teilbild b ersichtlich, fällt der Frequenzeinbruch mit knapp 9 mHz wiederum ver- nachlässigbar klein aus. Die Wärmeleistung und die Vorlauftemperatur am Testblock hinge- gen weisen nun größere Veränderungen auf, siehe Teilbild c, weil der Testblock fast eine halbe Stunde zusätzlich elektrische Leistung auf Kosten seiner Fernwärmeauskopplung be- reitstellen muss. Dies hat eine Absenkung der Vorlauftemperatur von 125°C auf 88°C zur Folge. Der leichte Unterschwinger bei der Vorlauftemperatur im Bereich 200 s ergibt sich aus der trägen Einstellung des Sekundärreglers. Die Auswirkungen dieser größeren Störung auf das Heiznetz sind in Bild 4.14 dargestellt. Die Verläufe ähneln prinzipiell denjenigen des Falles 3 bei dem 15minütigen Totalausfall der Fernwärmeeinkopplung in Bild 2.20. Der fast impulsförmige Verlauf der Vorlauftemperatur am HKW1 bzw. Testblock wird bei seiner Ausbreitung im Heiznetz immer mehr gedämpft. Die 30-minütige Störung verursacht am Netzendpunkt (NEP) 4 einen 70 min langen Einbruch der Vorlauftemperatur, dessen Höhe allerdings statt 37 K nur noch 23 K beträgt. Hervorzuheben ist, dass die Raumtemperaturen wiederum nur um maximal 0.4 K absinken, d.h. nicht stärker als bei dem 15minütigen Totalausfall. Diese Tatsache und die ähnlichen Druckverläufe erklären sich daraus, dass in beiden Fällen die Differenz-Druckregelung ein- greift und durch das Einspeisen einer zusätzlichen Wassermenge ein weiteres Absinken der Raumtemperaturen verhindert. Dieser heiznetzseitige Regeleingriff erfolgt jedoch erst nach ca. 80 min, d.h. 50 min nach Störungsende, wenn der vorübergehende Einbruch der Vorlauf- temperatur den ersten Wärmeverbraucher passiert hat. 90 -6 -4 -2 2 4 6 ∆PT * [%] a) Leistungsänderung, Langzeitdarstellung über 60 min Austauschleistung Wasserkraftwerk Testblock Störung 0 500 1000 1500 2000 2500 3000 3500 0 5 10 15 25 30 35 c) Wärmeleistung und Vorlauftemperatur, Langzeitdarstellung über 60 min Zeit [s] 65 95 125 ϑVL [°C]QH * [%] o -30 -20 -10 10 20 30 b) Abweichung der Netzfrequenz, Kurzzeitdarstellung über 3.3 min ∆f [mHz] Zeit [s] 0 500 1000 1500 2000 2500 3000 3500 200 s 30 min ∆P*V2 ∆P*A ∆P*T2.2.1 ∆P*T2.2.2 30 min Bild 4.13: Verbundbetrieb bei Inanspruchnahme des Testblockes zur Regelung der Übergabeleistung 91 Bild 4.14: Auswirkungen auf das Heiznetz bei Inanspruchnahme des Testblockes zur Regelung der Übergabeleistung 60 70 80 90 110 120 130 140 a) Vorlauftemperatur 0 100 200 300 400 500 600 3 4 5 6 7 8 Zeit [min] 19 19.5 20 20.5 21 HKW1 1.HL NEP5 NEP2 NEP1 NEP4 NEP4 NEP1NEP2NEP5 NEP5 NEP1 NEP2 NEP4 ϑVL [°C] ϑR [°C] b) Raumtemperatur c) Druck p [bar] -23 °C -37°C 92 5 Zusammenfassung und Ausblick Im Rahmen dieser Arbeit wurde untersucht, inwieweit Entnahme-Kondensationsblöcke durch vorübergehende Verringerung der Fernwärmeerzeugung zum Abfangen elektrischer Leis- tungsspitzen beitragen können, ohne den Betrieb des jeweiligen Heiznetzes unzulässig zu be- einträchtigen. Um die Auswirkungen einer vorübergehend verringerten Fernwärmeerzeugung auf angekop- pelte Heiznetze simulieren zu können, wurde ein Dynamikmodell zur Nachbildung der we- sentlichen Heiznetzeigenschaften erstellt. Dazu wurde das der Untersuchung zugrunde gelegte Heiznetz der Stadt Karlsruhe mit seinem vermaschten Rohrleitungssystem und einer Vielzahl von Einzelverbrauchern auf eine vereinfachte Modellstruktur abgebildet, welche die Fern- wärmeerzeuger, die wesentlichen Heiznetzleitungen und eine begrenzte Zahl von Ersatzwär- meverbrauchern berücksichtigt, s. Kap. 2. Sämtliche Modellkomponenten des Heiznetzes wurden parametriert und entsprechend der abgeleiteten Modellstruktur zum Gesamtmodell zusammengeschaltet. Zur Validierung dieses Gesamtmodells konnten die Messverläufe ver- wendet werden, die anlässlich einer größeren Störung im betrachteten Heiznetz erfasst wor- den waren. Der Vergleich der Simulationsergebnisse mit diesen gemessenen Verläufen zeigt, dass das stationäre und transiente Verhalten des Heiznetzes gut wiedergegeben wird. Dies trotz der getroffenen Vereinfachungen und der nur begrenzten Kenntnis bzgl. des Detailver- haltens der Vielzahl von Einzelverbrauchern im Heiznetz. Der modulare Aufbau des Heiz- netzmodells mit parametrierbaren Komponenten erlaubt eine Übertragung auch auf andere kraft-wärme-gekoppelte Heiznetze. In einem weiteren Schritt ist das entwickelte Heiznetzdynamikmodell mit dem bereits vorlie- genden Dynamikmodell des Kraftwerksblockes gekoppelt worden, bei dem die mit dem Kraftwerksmodell berechneten Vorlauftemperaturen und –massenströme dem Heiznetzdyna- mikmodell als Eingangsgrößen dienen. Die mit Hilfe dieses gekoppelten Modells durchge- führten Simulationsberechnungen belegen, dass die Deaktivierung der Heizkondensatoren im betrachteten Heiznetz ausreicht, um die geforderte Primärregelreserve nicht nur im Winter, sondern auch in der Übergangszeit bei Außentemperaturen bis zu 8-15°C vollständig bereit- zustellen. Damit ist es möglich, in knapp 50% des Jahres die Primärregelreserve allein auf diese Weise bereitzustellen. Bei höheren Außentemperaturen müssen zusätzliche Maßnahmen zur Bereitstellung der Primärregelreserve wie die Androsselung des Turbinenventils ergriffen werden. 93 In Kapitel 3 wurde daher das von /19/ entwickelte modellgestütztes Blockführungs- und –re- gelkonzept derart modifiziert und erweitert, dass die vorübergehende Deaktivierung der Heiz- kondensatoren allein oder in Kombination mit der Androsselung des Turbinenventils und der Erhöhung der Dampferzeugerleistung zur Bereitstellung der Primärregelreserve eingesetzt werden kann. Das Blockführungskonzept ist ohne größere Schwierigkeiten auf andere Kraft- werksblöcke übertragbar, da es auf einem vereinfachten dynamischen Modell eines Dampf- kraftwerksblockes aufbaut, dessen Parameter einfach zu bestimmen sind, und das zudem un- empfindlich gegen Parameterabweichungen ist. Um das Zusammenwirken eines Kraftwerksblockes, der mit diesem modellgestützten Block- führungs- und –regelkonzept ausgerüstet ist, mit dem elektrischen Netz realistisch testen zu können, wurde in Kapitel 4 ein bestehendes Einfach-Netzdynamik-Modell zur Nachbildung des mittleren Frequenzverhaltens von Verbund- und Inselnetzen derart erweitert, dass auch die Ausregelung der Austausch- bzw. Übergabeleistung zwischen zwei Netzbetreibern nach- bildbar ist. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass die Reduzierung der Fernwärmeeinkopplung es erlaubt, vorübergehend zusätzliche elektrische Leistung sowohl im Sekunden- als auch im Minutenbe- reich für einen großen Lastbereich des Kraftwerks bereitzustellen. Daher kann die Wirklei- stungs-Sekundenreserve kostengünstiger bereitgestellt werden als etwa durch die Androsse- lung der Turbinenventile. Im Minutenbereich kann die Reduzierung der Fernwärmeeinkopp- lung bis zu einer halben Stunde insbesondere bei kleineren EVUs zur Regelung der Überga- beleistung genutzt und damit die Bezahlung erhöhter Leistungspreise vermieden werden. Eine Abschätzung der auf diese Weise realisierbaren Einsparungen ist derzeit nur überschlä- gig möglich, da der liberalisierte Energiemarkt in Europa schnellen Veränderungen unterwor- fen ist. Für den betrachteten Anwendungsfall wurde ermittelt, dass in etwa 50% der Zeit eines Jahres vollständig und während der restlichen Zeit zumindest teilweise auf die wirkungsgrad- verschlechternde Androsselung verzichtet werden kann. Bei unterstellten Wirkungsgradverlu- sten von 0.5% /1/ durch die HD-Turbinen-Androsselung ergibt sich daraus ein Einsparpo- tential von immerhin 0.25%. Aus der Möglichkeit, an den entstehenden Strombörsen auch Primärregelleistung zu handeln, ergibt sich für kraft-wärme-gekoppelte Kraftwerksblöcke gerade im Winter bei hohen Wärmeleistungen eine interessante zusätzliche Verdienstmöglichkeit. 94 6 Literatur /1/ Busse, L. und R. Sindelar. Sekundenreserve und Wärmeverbrauch bei verschiedenen Betriebsarten von Dampfturbinen VGB Kraftwerkstechnik 69 (1989), Heft 9 /2/ Dörner, Wolfgang: Beitrag zur Verbesserung des Frequenz-Wirkleistungs-Regelverhaltens elektrischer Netze. Dissertation Universität Stuttgart, 1995. /3/ Torborg, H.-H. und Bösken, W. Netzkennlinienregelbetrieb einer gasbefeuerten Gleitdruckanlage mit Kondensatleistungsregelung – zwei Jahre Betriebserfahrungen mit dem 500 MW Erdgasblock Moorburg VGB Kraftwerkstechnik 56 (1976), Heft 12 /4/ E. Welfonder Netztechnische Anforderungen an die Primär- und Sekundärregelung 3. GMA/ETG-Fachtagung „Netzregelung“ 7.-8. März 1996, Berlin VDI-Berichte 1245 Düsseldorf, VDI-Verlag, 1996 /5/ Sindelar,R. Universelle Blockregelkonzepte für eine verzögerungsfreie Primärfrequenzstützung VGB Kraftwerkstechnik 76 (1996), Heft 7 /6/ Kinn, Th. und K.L. Klein: Anwendung des kombinierten Kondensatstau-Verfahrens in einem 550 MW-Stein- kohleblock der Badenwerk AG. VDI-Berichte 801 Düsseldorf, VDI-Verlag, 1990 /7/ Hühne, W. und L. Vogelbacher Regelverhalten von Dampfkraftwerksblöcken bei der De-Aktivierung der Niederdruckvorwärmer zur Bereitstellung der Wirkleistungs-Sekundenreserve 3. GMA/ETG-Fachtagung „Netzregelung“ 7.-8. März 1996, Berlin VDI-Berichte 1245 Düsseldorf, VDI-Verlag, 1996 /8/ Suttor, K.-H. Erfahrungen bei der elektronischen Berechnung von Wärmeverteilungsnetzen Elektrizitätswirtschaft 66 (1967), Nr.2 /9/ Haziak, S. 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Heueck: Untersuchung der frequenz- und spannungsabhängigen Leistungsaufnahme von Verbraucherteilnetzen - Ergebnisse und Folgerungen für den Verbundbetrieb. Elektrizitätswirtschaft, Jg. 93 (1994), Heft 3. 99 Anhang 100 A Dynamische Modellierung der Rohrleitungen  Anhang zu Kapitel 2.4.1 Die physikalischen Vorgänge in den Rohrleitungen werden durch die Erhaltungsgleichungen für Energie, Masse und Impuls des strömenden Heiznetzwassers beschrieben. Hinzu kommt die Erhaltungsgleichung für die Energie der Rohrwand, weil der Wärmeübergang zwischen Rohrwand und Strömung einen nicht vernachlässigbaren Einfluss auf letztere besitzt. Für die vorliegende Fragestellung ist eine genaue Kenntnis der dreidimensionalen Strömung nicht erforderlich. Daher wird nur eine Ortskoordinate z in Strömungsrichtung eingeführt. Die verwendeten Prozessgrößen - wie Temperaturen, Drücke, Massenströme, Dichten usw. - sind also als Mittelwerte über einen Rohrquerschnitt an der Stelle z zu verstehen. A.1 Temperaturdynamik Im Folgenden werden aus Energiebilanzen partielle Differentialgleichungen abgeleitet, die das zeitliche Verhalten der Temperaturen als Funktionen des Ortes festlegen. A.1.1 Energiebilanz für das Heiznetzwasser Bild A.1: Energiebilanz für Heiznetzwasser Die eindimensionale instationäre Energiebilanz für das differentielle Volumenelement gemäß Bild A.1 unter Vernachlässigung der Wärmeleitung in Strömungsrichtung lautet: ( )∂∂ t dU Q Q dQein aus Wand= − −   . Die einzelnen Terme bedeuten dU dm c z t A dz c z t d dz c z t Q m c z t A w c z t d w c z t w Q w i w ein w Q w i w = = = = = = ϑ ρ ϑ ρ π ϑ ϑ ρ ϑ ρ π ϑ ( , ) ( , ) ( , )   ( , ) ( , ) ( , ) 4 4 2 2 )).t,z()t,z((dzd))t,z()t,z((AQd )t,dzz(cwd4 )t,dzz(cwA)t,dzz(cmQ WandiWandUWand w 2 iwQwaus ϑ−ϑπα=ϑ−ϑα= +ϑπρ=+ϑρ=+ϑ=   Setzt man diese Beziehungen in die obige Gleichung ein, erhält man die Gleichung: AU AQ dU dQWand o d i dz QEin(z,t) o ϑ (z,t) QAus(z+dz,t) o ϑ (z+dz,t) 101 ∂ϑ ∂ ∂ϑ ∂ α ρ ϑ ϑ ( , ) ( , ) ( , ) ( ( , ) ( , ) ) z t t w z t z t z c d z t z ti w i Wand+ =− − 4 . Mit der Zeitkonstanten T c dW i i = ρ α4 ergibt sich T z t t T w z t z t z z t z tWand ∂ϑ ∂ ∂ϑ ∂ ϑ ϑ ( , ) ( , ) ( , ) ( , ) ( , )+ + = . (A-1) Der Wärmeübergangskoeffizient αi wird entsprechend dem Nußelt-Gesetz für turbulente Rohrströmungen von Gnielinski /45/ berechnet. A.1.2 Energiebilanz für die Rohrwand Bild A.2: Energiebilanz für Rohrwand Die eindimensionale instationäre Energiebilanz für das differentielle Element der Rohrwand in Bild A.2 unter Vernachlässigung der Wärmeleitung lautet: ( )∂∂ t dU dQ dQWand Wand Umg= −  mit dU m c z t d d dz c z t dQ A z t z t d dz z t z t dQ A z t z t d dz z t z t Wand Wand Wand Wand a i Wand Wand Wand Wand i i Wand i i Wand Umg a a Wand Umg a a Wand Umg = = − = − = − = − = − ϑ π ρ ϑ α ϑ ϑ α π ϑ ϑ α ϑ ϑ α π ϑ ϑ ( , ) ( ) ( , )  ( ( , ) ( , )) ( ( , ) ( , ))  ( ( , ) ( , )) ( ( , ) ( , )). 4 2 2 Eingesetzt in die obige Gleichung erhält man 1 4 2 2( ) ( ) ( ) ( ) . d d c t d d d d d d a i Wand Wand Wand i i Wand a a Wand Umg i i a a Wand i i a a Umg − = − − − =− + + + ρ ∂ϑ∂ α ϑ ϑ α ϑ ϑ α α ϑ α ϑ α ϑ dida QWand o QUmg o dz dUWand 102 Mit der Zeitkonstanten T c d d d dWand Wand Wand a i i i a a = − + ρ α α ( ) ( ) 2 2 4 und den dimensionslosen Koeffizienten q d d d q d d di i i i i a a a a a i i a a = + = + 4α α α α α α und ergibt sich die Beziehung T t q qWand Wand Wand i a Umg ∂ϑ ∂ ϑ ϑ ϑ+ = + . (A-2) A.2 Druckdynamik A.2.1 Massenbilanz für das Heiznetzwasser Bild A.3: Massenbilanz für Heiznetzwasser Die instationäre eindimensionale Massenbilanz für das differentielle Volumenelement mit konstantem Querschnitt AQ in Bild A.3 lautet: ae mm)dm(t  −= ∂ ∂ mit den Termen )t,z(wAdz z dz z wA)t,z()t,z(wA)t,z( )dz z w)t,z(w(A)dz z )t,z(()t,dzz(wA)t,dzz(m )t,z(wA)t,z(m dzA)t,z(dm QQQ QQa Qe Q ∂ ρ∂ + ∂ ∂ρ+ρ= ∂ ∂ + ∂ ρ∂ +ρ=++ρ= ρ= ρ=   Damit erhält man die Kontinuitätsgleichung: ∂ ρ ∂ ρ ∂ ∂ ∂ ρ ∂t w z w z =− − Mit der Beziehung für die Schallgeschwindigkeit c d p d t c p t z c p z =  = =ρ ∂ ρ ∂ ∂ ∂ ∂ ρ ∂ ∂ ∂ 1 1 2 2 , können die partiellen Ableitungen der Dichte ersetzt werden und man gelangt schließlich auf: ∂ ∂ ∂ ∂ ρ ∂ ∂ p t w p z c w z + + =2 0 (A-3) AQ dm di dz w(z,t) ρ (z,t) w(z+dz,t) ρ (z+dz,t) 103 A.2.2 Impulsbilanz für das Heiznetzwasser Bild A.4: Impulsbilanz für Heiznetzwasser Die eindimensionale Impulsbilanz für das differentielle Volumenelement unter instationären Bedingungen (Bild A.4) lautet: ∂ ∂ t dI I I F I I F F Fe a ii e a e a r( )    = − + = − + − − mit den Termen d I dm w z t A dz w I m z t w z t z t A w z t I m z dz t w z dz t z dz t A w z dz t z t A w z t z dz A w z t z t A w z t w z dz Q e e Q a a Q Q Q Q = = = = = + + = + + = + + ρ ρ ρ ρ ∂ ρ∂ ρ ∂ ∂ ( , )   ( , ) ( , ) ( , ) ( , )   ( , ) ( , ) ( , ) ( , ) ( , ) ( , ) ( , ) ( , ) ( , ) 2 2 2 2 2 F p z t A F p z dz t A F z t A e Q a Q r w U = = + = ( , ) ( , ) ( , )τ Unter Berücksichtigung des Reibungsansatzes für turbulente Strömungen τ ξ ρw w= 8 2 und mit Hilfe der oben angeführten Beziehung für die Schallgeschwindigkeit folgt daraus: ∂ ∂ ρ ∂ ∂ ∂ ∂ ρ ∂ ∂ ρ ∂ ∂ ξ ρ t w w c p t w c p z w t w w z d w ( ) ( )= + + + + = −2 2 2 21 2 2 Da die Strömungsgeschwindigkeit w(z,t) sehr viel kleiner als die Schallgeschwindigkeit c ist, gilt 1 1 2 2+ ≈ w c , und die letzte Gleichung vereinfacht sich zu: w c p t p z w t w w z d w2 22 2 ∂ ∂ ∂ ∂ ρ ∂ ∂ ρ ∂ ∂ ξ ρ+ + + =− (A-4) AQ dI d i dz Ie(z,t) w(z,t) p (z,t) ρ (z,t) ρ (z+dz,t) AU τW o Ie(z+dz,t) w(z+dz,t) p (z+dz,t) o 104 A.3 Teilsystem Rohrleitung Die vier oben abgeleiteten partiellen Differentialgleichungen )t,z()t,z( z )t,z()t,z(wT t )t,z(T Wandϑ=ϑ+∂ ϑ∂ + ∂ ϑ∂ (A-1) UmgaiWand Wand Wand qqt T ϑ+ϑ=ϑ+ ∂ ϑ∂ (A-2) ∂ ∂ ∂ ∂ ρ ∂ ∂ p t w p z c w z + + =2 0 (A-3) w c p t p z w t w w z d w2 22 2 ∂ ∂ ∂ ∂ ρ ∂ ∂ ρ ∂ ∂ ξ ρ+ + + =− (A-4) bilden zusammen mit der thermodynamischen Zustandsgleichung ρ ρ ϑ( , ) ( ( , ), ( , ))z t p z t z t= ein gekoppeltes, nichtlineares partielles differential-algebraisches Gleichungssystem für die fünf Variablen ϑ ( , )z t , w(z,t) , )t,z(Wandϑ , p(z,t) und ρ ( , )z t , das unter der Berücksichtigung der entsprechenden Anfangs- und Randbedingungen zu lösen ist. Die Anfangs- und Randbedingungen ergeben sich aus der Annahme, dass ein stationärer Zu- standes herrscht, bevor die zu berechnende Störung wirksam wird, und aus dem zeitlichen Verlauf der Vorlauftemperatur, der sich aufgrund der reduzierten Fernwärmeeinkopplung einstellt. Da eine geschlossene Lösung des Gleichungssystemes vor allem wegen seiner Nichtlinearität nicht möglich ist, wird es numerisch, d.h. für diskrete Orte und Zeitpunkte, berechnet. Durch die Diskretisierung werden die Nichtlinearitäten zunächst nicht beseitigt. Weil die Druckdyna- mik in den Gleichungen (A-3) und (A-4) nur durch die Temperaturabhängigkeit der Dichte an die Temperaturdynamik in Gleichungen (A-1) und (A-2) gekoppelt ist, ist eine deutliche Ver- einfachung schon erreicht, wenn diese Abhängigkeit entfällt. Eine qualitative Betrachtung der physikalischen Vorgänge zeigt, dass eine solche Entkopplung möglich und zulässig ist: Die um Größenordnungen verschiedenen Ausbreitungsgeschwindigkeiten von Druck- und Tempe- raturstörungen bedeuten gleichzeitig, dass sich die Temperaturen im Vergleich zum Druck langsam ändern. Deswegen entsteht lediglich ein geringer Fehler, wenn bei der Berechnung der Dichte in den Gleichungen (A-3) und (A-4) die Temperatur ϑ aus dem vorhergehenden Zeitschritt zugrunde gelegt wird. Aufbauend auf dieser Überlegung können die Gleichungen (A-3) und (A-4) für den Druck p(z,t) und die Strömungsgeschwindigkeit w(z,t) gelöst werden. Bei der anschließenden Berechnung der Temperaturen ϑ ( , )z t und )t,z(Wandϑ in den Glei- chungen (A-1) und (A-2) ist w(z,t) daher bereits bekannt. 105 Anstelle eines Systems mit vier gekoppelten Differentialgleichungen müssen nur noch zwei Systeme mit jeweils zwei gekoppelten Differentialgleichungen gelöst werden. Die Lösung der beiden Differentialgleichungssysteme mit Hilfe des Charakteristikenverfahrens und die Orts- und Zeitdiskretisierung werden in den folgenden beiden Abschnitten vorgestellt. A.4 Berechnung der Temperaturdynamik Da die Zeitkonstante der Wandtemperaturdynamik Twand deutlich kleiner als die Zeitkonstante der Temperaturdynamik des Heizwasser T ist, kann bei der Berechnung der Wandtemperatur )t,z(Wandϑ die Heiznetzwassertemperatur ϑ des vorherigen Zeitschrittes verwendet werden. A.4.1 Berechnung der Wandtemperatur Durch die Einführung der Übertemperatur UmgaiWandWand qq ϑ−ϑ−ϑ=Θ ergibt sich aus Glei- chung (A-2) die homogene Differentialgleichung 0 t T Wand Wand Wand =Θ+∂ Θ∂ . Die Separation der Variablen führt auf die zeitdiskrete Lösung WandT t Umga1ji1jWandUmga1jijWand e)q)t,z(q)t,z((q)t,z(q)t,z( ∆ − −−− ϑ−ϑ−ϑ+ϑ+ϑ=ϑ (A-5) A.4.2 Berechnung der Heiznetzwassertemperatur Gleichung (A-1) ist eine partielle Differentialgleichung, die mit Hilfe des Charakteristikenver- fahrens gelöst wird. Die Charakteristik von Gleichung (A-1) ist wdtdz = /20/. Nach einer Variablentransformation gemäß /21/ in die neuen Variablen η = −z wt und σ = z lautet Gleichung (A-1) ),(),(),(wT Wand σηϑ=σηϑ+σ∂ σηϑ∂ (A-6) Unter der Voraussetzung, dass Wandϑ zwischen den Stützstellen (zk,tj) und (zk+1,tj+1) linear verläuft, kann die Gleichung durch Separation der Variablen und Variation der Konstanten gelöst werden. Man erhält das Endergebnis { } .)e1( z Tw1)t,z()t,z( )e1()t,z(e)t,z()t,z( Tw z 1j1kWandjkWand Tw z 1j1kWand Tw z 1j1kj         − ∆ −ϑ−ϑ +−ϑ+ϑ=ϑ ∆ − −− ∆ − −− ∆ − −− (A-7) Durch den Zusammenhang ∆ ∆z w t= wird sichergestellt, dass die Berechnung entlang einer Charakteristik erfolgt. 106 A.4.3 Anpassung der Zeitschrittweite bei der Temperaturberechnung Während bei der Druckdynamik die konstante Schallgeschwindigkeit das Verhältnis von Orts- und Zeitdiskretisierung festlegt, ist bei der Temperaturdynamik die teilweise erheblich variie- rende Strömungsgeschwindigkeit w an der jeweiligen Stelle der Leitung für das Verhältnis von Orts- und Zeitdiskretisierung maßgebend. Diese Tatsache kann zu großen Berechnungs- fehlern führen, wie das folgende einfache Beispiel zeigt. Unter den Voraussetzungen • kein Einfluss der Rohrwand, • konstante Zeit– und Ortsdiskretisierung, • örtlich konstante Strömungsgeschwindigkeit, die 50 % der ursprünglichen Strömungsge- schwindigkeit beträgt, welche der Orts- bzw. Zeitdiskretisierung zugrunde liegt, bewegt sich die sprungförmige Absenkung der Temperatur am Rohranfang unverändert mit der Strömungsgeschwindigkeit durch das Heiznetzrohr, vgl. Bild A.5a. Da die aktuelle Strö- mungsgeschwindigkeit nur die Hälfte der ursprünglichen beträgt, liegen die mit Hilfe des Charakteristikenverfahrens ermittelten neuen Berechnungspunkte genau zwischen den Ortsstützstellen. Eine lineare Interpolation führt auf das in Bild A.5 gezeigte Temperaturpro- fil. Führt man die Berechnung für den nächsten Zeitschritt durch, erhält man das in Bild A.5b und nach zwei weiteren Berechnungsschritten das in Bild A.5c gezeigte Temperaturprofil. An diesem Beispiel ist deutlich zu erkennen, dass die Berechnung sowohl das Temperaturpro- fil verfälscht als auch die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Störung verändert. Während sich bei der exakten Lösung die sinkende Temperatur nach vier Berechnungsschritten bis zur Stelle z = 3∆z ausgebreitet hat, erfährt bei der berechneten Lösung bereits die Stelle z = 5∆z eine wenn auch nur geringfügige Änderung, das heißt, die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Stö- rung hat sich durch die ungenaue Berechnungsmethode verdoppelt. Die gewählte Abhilfe besteht darin, die Ortsschrittweite konstant zu belassen und die Zeit- schrittweite gemäß der Charakteristikenbedingung ∆t = ∆z/w anzupassen. In dem betrachteten vereinfachten Beispiel entfällt dadurch die lineare Interpolation, bei realen Berechnungen mit ortsvarianten Strömungsgeschwindigkeiten werden die Linearisierungsfehler deutlich redu- ziert. Außerdem führt diese Anpassung der Zeitschrittweite dazu, dass das Temperaturprofil von Leitungen mit großen Strömungsgeschwindigkeiten öfters aktualisiert wird als dasjenige von langsam durchflossenen Leitungen. Dies ist der wesentliche Vorteil gegenüber der eben- falls denkbaren Variante, die Ortsdiskretisierung bei jedem Berechnungsschritt zu modifizieren. 107 Bild A.5: Linearisierungsfehler bei der Berechnung der Temperaturdynamik 50 60 70 80 90 100 Te m pe ra tu r [ °C ] a) 1.Berechnungsschritt 50 60 70 80 90 100 Te m pe ra tu r [ °C ] b) 2.Berechnungsschritt 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 50 60 70 80 90 100 relative Rohrlänge z/∆z [-] Te m pe ra tu r [ °C ] c) 4.Berechnungsschritt exakte Lösung (0.Zeitschritt) = Startlösung exaktes Temperaturprofil (1.Zeitschritt) interpoliertes Temperaturprofil (1.Zeitschritt) berechnete Temperaturen (1.Zeitschritt) exaktes Temperaturprofil (2.Zeitschritt) interpoliertes Temperaturprofil (2.Zeitschritt) berechnete Temperaturen (2.Zeitschritt) interpoliertes Temperaturprofil (1.Zeitschritt) exaktes Temperaturprofil (4.Zeitschritt) interpoliertes Temperaturprofil (4.Zeitschritt) berechnete Temperaturen (4.Zeitschritt) interpoliertes Temperaturprofil (3.Zeitschritt) 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 108 Mit der Festlegung der Ortsschrittweite muss nicht nur die ausreichend genaue zeitliche Auf- lösung der Temperaturverläufe gewährleistet, sondern auch verhindert werden, dass durch zu große Zeitschritte bei der Temperaturaktualisierung die Dichtegradienten so groß werden, dass künstliche Störungen der Druckdynamik auftreten. Daraus folgt die Notwendigkeit, die Orts- diskretisierung der Leitungen bei der Temperaturberechnung feiner zu wählen als bei der Druckberechnung. Zur Ermittlung der für die Druckberechnung benötigten Dichte wird der Mittelwert der Temperaturen verwendet, die in dem entsprechenden Rohrabschnitt herrschen. A.4.4 Temperaturberechnung an Rohrverzweigungen Bei drei Strömungsgeschwindigkeiten an einer Verzweigung ergeben sich acht mögliche Kombinationen der Strömungsrichtungen. Da Massenspeichereffekte nur in den einzelnen Rohrleitungen berücksichtigt werden, gilt für die Verzweigungen die stationäre Massenerhal- tung. Demzufolge sind die beiden Varianten dreier in die Verzweigung ein- bzw. aus der Ver- zweigung austretender Massenströme physikalisch unmöglich. In Bild A.6 sind drei der sechs verbleibenden Kombinationen von Strömungsrichtungen an einer Verzweigung dargestellt. m1 o m2 o m3 o m3 o m2 om1 o a) Aufteilung b) Rückströmung c) Mischung m2 om1 o m3 o Bild A.6: Massenströme an einer Verzweigung Bei der Aufteilung in Fall a) entsprechen die beiden Eintrittstemperaturen der Leitungen 2 und 3 der Austrittstemperatur der Leitung 1. Bei der Rückströmung in Fall b) ergeben sich die Temperaturen am Ende der Leitung 1 und am Anfang der Leitung 2 aus der Temperatur am Anfang der Leitung 2. Die Eintrittstemperatur der Leitung 3 im Fall c) hingegen ist die gemäß der Massenströme der Leitungen 1 und 2 gewichtete Mitteltemperatur vom Ende der Leitung 1 und vom Anfang der Leitung 2. Die Temperaturen am Anfang bzw. Ende einer Leitung hängen also von den Temperaturen der angrenzenden Leitungen ab, die jedoch in Abhängigkeit der jeweiligen Strömungsge- schwindigkeit aktualisiert werden. Daher werden bei der Temperaturberechnung nicht nur die Temperaturen dieser Leitung, sondern auch die Temperaturen am Anfang und Ende der an- grenzenden Leitungen aktualisiert, falls sie von der Änderung betroffen sind. Zudem werden die Dichten am Anfang oder Ende dieser Leitungen neu berechnet. 109 A.5 Berechnung der Druckdynamik Die beiden Charakteristiken des Gleichungssystemes (A-3) und (A-4) sind dz dt c=± /20/. Das bedeutet, dass sich die Änderungen der Druckes und der Strömungsgeschwindigkeit mit Schallgeschwindigkeit sowohl in als auch gegen die Strömungsrichtung ausbreiten. tj tj-1 zk-1 zk+1zk c+ c - t z Bild A.7: Koordinatensystem beim Charakteristikenverfahren In Bild A.7 ist für ein Element der Rohrleitung veranschaulicht, dass Druck und Geschwindig- keit an der Stelle zk zum Zeitpunkt tj über die beiden Charakteristiken c+ und c- von den be- nachbarten Werten zk-1 und zk+1 des vorherigen Zeitschrittes abhängen. Diese Aussage gilt nicht nur für das dargestellte Rohrelement, sondern für alle Komponenten wie Ventile, Ab- zweigungen, Heizkondensatoren usw.: Druck und Geschwindigkeit an einer beliebigen Stelle zum Zeitpunkt tj können berechnet werden, wenn die Werte an den benachbarten Stellen zum vorhergehenden Zeitpunkt tj-1 bekannt sind. Die einzelnen Komponenten können daher itera- tionsfrei in einer beliebigen Reihenfolge berechnet werden /46/. Als orts- und zeitdiskrete Lösungen für den Druck p und die Geschwindigkeit w ergeben sich: p t z p t z t z p t z t z t z t z c w t z w t z t d w t z w t z i k i k i k i k i k i k i k i k i k i k i k ( , ) ( , ) ( , ) ( , ) ( , ) ( , ) ( , ) ( ( , ) ( , )) ( , ) ( , ) ( = + + + − − −       − − − − − + − + − − − + − − − + − + − − 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 2 1 ρ ρ ρ ρ ξ ρ ∆ t z t zi k i k− − − + + 1 1 1 1 1 , ) ( , )ρ (A-8) w t z w t z p t z p t z t z c d w t z ti k i k i k i k i k i k( , ) ( , ) ( , ) ( , ) ( , ) ( , )= − − − − − − − − −1 1 1 1 2 1 12ρ ξ ∆ (A-9) Für die Dichte ρ ρ ϑ( ) ( ( ), ( )), , ,t z t z p t zi k i k i k− − −=1 1 1 können die Werte vom vorherigen Zeitschritt ti-1 verwendet werden, da die Temperaturen sich im Vergleich zu den Drücken sehr langsam ändern und die Druckabhängigkeit der Dichte im betrachteten Druckbereich relativ gering ist. 110 A.5.1 Numerische Modifizierung der Schallgeschwindigkeit Die explizite Berechnung von Drücken und Geschwindigkeiten mit Hilfe der Charakteristi- kenmethode stellt einen erheblichen Vorteil gegenüber der quasistationären Druckberechnung dar, die davon ausgeht, dass das Druckprofil sich zu jedem Zeitpunkt in einem stationären Zustand befindet. Die Annahme der Stationarität hat zur Folge, dass sich Störungen an einer Stelle des berechneten Netzes an jeder anderen Stelle auswirken können, und macht deswegen eine iterative Berechnung des ganzen Netzes erforderlich. Diesem Vorteil der Charakteristikenmethode steht allerdings ein deutlicher Vorteil des quasi- stationären Verfahrens gegenüber: Die Zeitschrittweite zwischen den einzelnen Aktualisierun- gen des Druckprofils kann erheblich größer gewählt werden als beim Charakteristikenverfah- ren. Denn beim Charakteristikenverfahren sind Zeit- und Ortsschrittweite über die Schallge- schwindigkeit verknüpft. Bei einer angenommen Ortsdiskretisierung von ∆z = 45 m und einer Schallgeschwindigkeit in Wasser von 1500 m/s ergibt sich eine kleine Zeitschrittweite von ∆t = 0.03 s und daraus folgend ein sehr hoher Rechenzeitbedarf. Im vorliegenden Fall sind aber vor allem Störungen von Belang, die sich aus dem Regelver- halten der Verbraucher ergeben und, wie der berechnete Verlauf der Raumtemperatur des Verbrauchers 8 am Netzendpunkt (NEP) 5 in Bild A.8d verdeutlicht, eine Dynamik im großen Minutenbereich aufweisen. Daher ist die sehr hohe zeitliche Auflösung nicht notwendig, und es stellt sich die Frage, ob die Schallgeschwindigkeit zur Erhöhung der Zeitschrittweite nicht numerisch verringert werden kann. Zur Untersuchung dieser Frage ist der fiktive Fall betrachtet worden, bei dem die Fernwärme- einkopplung am HKW 1 zu Beginn der Berechnung sprungförmig von der stationär notwendi- gen Wärmeleistung von 156 MW auf 0 MW absinkt und während der weiteren Berechnung auf diesem Wert verharrt. Demzufolge sinkt die Vorlauftemperatur innerhalb weniger Minu- ten auf die Rücklauftemperatur ab. Diese massive Störung breitet sich im gesamten Heiznetz- netz aus. Das Absinken der Vorlauftemperatur an den einzelnen Verbrauchern führt mit einer Verzögerung zum Absinken der Raumtemperatur, dem die Raumtemperaturregelung durch das Öffnen der Ventile entgegenzuwirken versucht. In Bild A.8 sind die Ergebnisse der entsprechenden Simulationen für die tatsächliche Schall- geschwindigkeit von 1500 m/s und drei modifizierte Schallgeschwindigkeiten gezeigt. Die Druck-, Massenstrom- und Temperaturverläufe bei Herabsetzung der Schallgeschwindigkeit auf c = 150 bzw. 50 m/s unterscheiden sich kaum von den Verläufen, die mit der exakten Schallgeschwindigkeit 111 Bild A.8: Berechnung der Druckdynamik mit verschiedenen Schallgeschwindigkeiten 0 50 100 150 200 250 300 350 400 450 10 12 14 16 18 20 Zeit [min] Te m pe ra tu r [ °C ] d) Raumtemperatur des Verbrauchers 8 am NEP5 0 50 100 150 200 250 300 350 400 450 9 10 11 12 13 M as se ns tro m [k g/ s] b) Massenstrom NEP5 0 50 100 150 200 250 300 350 400 450 60 80 100 120 140 Vo rla uf te m pe ra tu r [ °C ] c) Vorlauftemperatur am NEP 5 0 50 100 150 200 250 300 350 400 450 4.5 5 5.5 6 6.5 7 D ru ck [b ar ] a) Vorlaufdruck am NEP 5 c = 1500 m/s c = 150 m/s c = 50 m/s c = 15 m/s c = 1500 m/s c = 150 m/s c = 50 m/s c = 15 m/s c = 1500 m/s c = 150 m/s c = 50 m/s c = 15 m/s c = 15 m/s c = 1500 m/s c = 150 m/s c = 50 m/s c = 15 m/sc = 15 m/s 112 berechnet wurden. Die auftretenden Abweichungen bei einer weiteren Herabsetzung der Schallgeschwindigkeit auf 15 m/s beruhen mit darauf, dass die Differentialgleichungen unter der Annahme gelöst wurden, dass die Strömungsgeschwindigkeit von w ≤ 2.5 m/s gegenüber der Schallgeschwindigkeit vernachlässigt werden kann. Diese Voraussetzung ist bei einer fik- tiven Schallgeschwindigkeit von 15 m/s nur noch eingeschränkt erfüllt. Diese Simulationsergebnisse zeigen, dass für die Berechnung der Heiznetzdynamik eine auf 50 m/s reduzierte Schallgeschwindigkeit ausreicht. Lediglich zur sehr genauen Ermittlung des dynamischen Druck- und Massenstromprofils muss mit der „wahren“ Schallgeschwindigkeit gerechnet werden. A.5.2 Vereinfachte Berechnung mit zeitlich konstantem Rücklaufdruckprofil Eine weitere Vereinfachung der Heiznetznachbildung besteht darin, auf die Berechnung der zeitlichen Änderungen der Rücklaufdruckprofile zu verzichten. Schon bei dem Vergleich von Messung und Rechnung im Kapitel 2 konnten die exakten Werte der Rücklaufdrücke nur an den Netzendpunkten vorgegeben werden. An den anderen Verbrauchern wurden die Werte benachbarter Netzendpunkte zugrunde gelegt und je nach Entfernung von diesem Netzend- punkt um eine Konstante modifiziert. Im Folgenden wird untersucht, welche Auswirkungen es hat, wenn anstelle der an den Ver- brauchern gemessenen zeitvarianten Rücklaufdrücke konstante Mittelwerte eingesetzt werden. Zur Abschätzung der Genauigkeit werden hier der den Hauptleitungen am nächsten liegende NEP 5 und der am entferntesten liegende NEP 4 betrachtet. Für die anderen Stellen ergeben sich ähnliche Aussagen. In Bild A.9a sind zusätzlich zu den bekannten Verläufen der Vorlaufdrücke an den beiden Netzendpunkten jene Vorlaufdruckverläufe mitdargestellt, die sich dann ergeben, wenn man jeweils konstante Rücklaufdrücke voraussetzt. Zwar weisen die Ergebnisse gewisse Differen- zen auf, das prinzipielle Verhalten wird aber weiterhin gut nachgebildet. Die geringen Aus- wirkungen der konstanten Rücklaufdrücke auf die Fernwärmeabnehmer zeigen die Verläufe der Raumtemperaturen in Bild A.9. Die Raumtemperatur des Verbrauchers 8 am Netzend- punkt 5 ist für beide Berechnungsfälle praktisch nicht unterscheidbar, die Raumtemperatur des Verbrauchers 7 am Netzendpunkt 4 steigt für den Fall konstanter Rücklaufdrücke etwas stärker an als bei der Vorgabe der gemessenen Rücklaufdrücke. Der Vergleich dieser beiden Berechnungsergebnisse zeigt, dass bei den weiterführenden Simulationsuntersuchungen auf eine aufwendige Nachbildung des transienten Druckverhaltens im Rücklauf verzichtet werden kann. 113 Bild A.9: Vorlaufdrücke und Raumtemperaturen an den Netzendpunkten 4 und 5, => Vergleich von Messung und Rechnung mit variablem und konstantem Rücklaufdruckprofil 0 50 100 150 200 250 300 350 3 4 5 6 7 8 9 10 Zeit [min] D ru ck [b ar ] a) Vorlaufdrücke (Messungen und Rechnung) 0 50 100 150 200 250 300 350 400 15 16 17 18 19 20 21 22 Zeit [min] Te m pe ra tu r [ °C ] 400 Netzendpunkt 5 Netzendpunkt 4 Rechnung mit variablen Rücklaufdrücken Messung Rechnung mit konstanten Rücklaufdrücken b) Raumtemperaturen (Rechnungen) Netzendpunkt 5 Netzendpunkt 4 Rechnung mit variablen Rücklaufdrücken Rechnung mit konstanten Rücklaufdrücken 114 B Dynamische Modellierung der Wärmeverbraucher  Anhang zu Kapitel 2.4.2 Die Wärmeverbraucher werden als ein großer Ersatzraum modelliert, vgl. Bild B.1. Bild B.1: Nachbildung der Wärmeverbraucher Berücksichtigt werden: • die Speicherfähigkeit der Hausinnen- und außenwände, • die Speicherfähigkeit des Heizkörpers und • die Lüftungsheizlast. Folgende Vereinfachungen und Annahmen werden getroffen: • Regler und Ventil wirken verzögerungsfrei. • Verluste und Speicherfähigkeit des Wärmetauschers sind vernachlässigbar. Dadurch kön- nen direkt und indirekt angeschlossene Verbraucher gleich behandelt werden. • Für den Raum wird eine mittlere Temperatur berechnet. • Der Wärmeinhalt des strömenden Wassers im Heizkörper ist im Vergleich zum Wärmein- halt des Heizkörpers klein und kann daher vernachlässigt werden. • Der für die Lüftung erforderliche Luftstrom ist konstant. • Übergabestation und Heizkörper werden als fest gekoppelt angesehen. • Innere Wärmequellen wie z.B. elektrische Geräte und die Energiezufuhr durch Wärmeeinstrahlung werden vernachlässigt. mhz o ϑ VL mhz o ϑ RL ϑ Raum ϑ AussenQHK o QWA o QLüftung o QLW o M Regler QInnen o Außenwand ϑ Wand ϑ Innenwand Regelventil InnenwandHeizkörper 115 B.1 Modellgleichungen Das Teilsystem Wärmeverbraucher besteht aus den vier energiespeichernden Komponenten Raumluft, Heizkörper, Hausaußen- und Hausinnenwand. Unter Hausinnenwand werden alle Objekte innerhalb des Wärmeverbrauchers zusammengefaßt, die nicht im direkten Kontakt mit der Außenluft stehen: Innenwände, Decken, Fußböden, gegebenenfalls Inventar usw. B.1.1 Energiebilanz der Raumluft Für die Raumluft gilt die Energiebilanz: InnenLWLüftungHK L QQQQ td Ud  −−−= mit )(k)(AQ )(k)(AQ )(k)(cm)hh(mQ )(k)(AQ VcmcU InnenwandRaumInnenInnenwandRaumInnenInnenInnen WandRaumWandWandRaumLWLWLW AussenRaumLüftungAussenRaumpLüftungAussenRaumLüftungLüftung RaumHKHKRaumHKHKHKHK RaumRaumLvRaumLvL ϑ−ϑ=ϑ−ϑα= ϑ−ϑ=ϑ−ϑα= ϑ−ϑ=ϑ−ϑ=−= ϑ−ϑ=ϑ−ϑα= ϑρ=ϑ=     Anstelle der Temperaturen iϑ werden im Folgenden die Übertemperaturen Aussenii ϑ−ϑ=Θ verwendet. Dann ergibt sich die Beziehung für die Raumübertemperatur RaumΘ : InnenwandInnenWandWandHKHKRaum Raum Raum aaatd d T Θ+Θ+Θ=Θ+Θ (B-1) mit der Zeitkonstanten InnenWandLüftungHK RaumLv Raum kkkk VcT +++ ρ = und den dimensionslosen Koeffizienten Innen,Wand,HKi; kkkk k a InnenWandLüftungHK i i = +++ = . B.1.2 Energiebilanz des Heizkörpers Für den Heizkörper gilt die Energiebilanz: HKRLVL HK QQQ td Ud  −−= mit RLWHRL VLWHVL RaumHKHKRaumHKHKHKHK HKHKHKL cmQ cmQ )(k)(AQ mcU ϑ= ϑ= Θ−Θ=ϑ−ϑα= ϑ=    Daraus erhält man die Beziehung für Heizkörperübertemperatur ΘHK HeiznetzRaumHK HK HK td d T Θ+Θ=Θ+Θ (B-2) mit der Zeitkonstanten HK HKHK HK k mc T = und der Größe 116 HK Heiznetz HK RLVLWhz Heiznetz k Q k )(cm  = ϑ−ϑ =Θ , die die Eingangsgrößen hzm und ϑVL zusammenfasst und die abgenommene Fernwärmeleistung des Verbrauchers repräsentiert. Die Rücklauftemperatur RLϑ wird durch die Beziehung HKRL ϑ=ϑ dynamisch angepasst. B.1.3 Energiebilanz der Hausaußenwand Für die Hauswand gilt die Energiebilanz: WALW Wand QQ td Ud  −= mit WandWandWandWAAussenWandWAWAWA WandRaumWandWandRaumLWLWLW WandwandwandWand kk)(AQ )(k)(AQ mcU Θ≈Θ=ϑ−ϑα= Θ−Θ=ϑ−ϑα= ϑ=   Die Wandübertemperatur ΘWand genügt der Gleichung RaumWand Wand Wand 2 1 td d T Θ=Θ+Θ (B-3) mit der Zeitkonstanten Wand WandWand Wand k2 mc T = . B.1.4 Energiebilanz der Hausinnenwand Für die Hauswand gilt die Energiebilanz: Innen Innen Q td Ud  = mit )(k)(AQ mcU InnenwandRaumInnenInnenwandRaumInnenInnenInnen InnenwandInnenwandInnenwandInnen Θ−Θ=ϑ−ϑα= ϑ=  Die Innenwandübertemperatur Θ Innenwand genügt der Gleichung RaumInnenwand Innenwand Innenwand td dT Θ=Θ+Θ (B-4) mit der Zeitkonstanten Innen InnenwandInnenwand Innenwand k mcT = . 117 B.2 Teilsystem Wärmeverbraucher Das dynamische Verhalten des Wärmeverbrauchers wird durch das lineare gewöhnliche Diffe- rentialgleichungssystem InnenwandInnenWandWandHKHKRaum Raum Raum aaatd dT Θ+Θ+Θ=Θ+Θ (B-1) HeiznetzRaumHK HK HK td d T Θ+Θ=Θ+Θ (B-2) RaumWand Wand Wand 2 1 td d T Θ=Θ+Θ (B-3) RaumInnenwand Innenwand Innenwand td dT Θ=Θ+Θ (B-4) beschrieben. Für einen gegebenen Verlauf der Temperatur HeiznetzΘ kann dieses Differential- gleichungssystem mit dem Runge-Kutta-Verfahren /47/ numerisch gelöst werden. 118 C Unempfindlichkeit des modellgestützten Blockregelkonzeptes gegenüber Parameterschwankungen  Anhang zu Kapitel 3.6 Da vor allem bei der Ermittlung der dynamischen Parameter Ungenauigkeiten auftreten und zudem Schwankungen dieser Parameter unvermeidbar sind, ist für die Anwendbarkeit des modellgestützten Blockführungskonzeptes die Robustheit gegenüber solchen Parameterabwei- chungen unabdingbar. Für die Abweichung der Dampferzeugerdynamik wurde diese Robust- heit bereits in Kapitel 3.6 verdeutlicht. Für vier weitere wesentliche Parameter wird nun das Zusammenwirken der drei unterlagerten Regler untersucht. Die drei unterlagerten Regler beeinflussen sich gegenseitig: Auf eine Abweichung der Vor- lauftemperatur reagiert der Vorlauftemperaturregler mit einer Erhöhung der Soll-Wärmeleis- tung. Dadurch erhöht sich der Entnahmemassenstrom in den Heizkondensator. Die daraus re- sultierende Absenkung der elektrischen Leistung bewirkt, dass der Leistungsregler eingreift und Dampferzeugerleistung erhöht. Diese Erhöhung hat ein Ansteigen des Frischdampfdru- ckes und damit einen Anstieg des Frischdampfmassenstromes zur Folge, das schließlich den Druckregler ansprechen lässt. Umgekehrt bewirkt eine Erhöhung des Frischdampfdruckes das Aktivieren nicht nur des Druckregler, sondern auch des Leistungsreglers, der auf die Erhö- hung der Leistung durch den erhöhten Frischdampfmassenstromes reagiert. C.1 Einfluss einer zu hohen Dampfspeicherdynamik In Bild C.1 sind die Ergebnisse für den Fall dargestellt, dass die Zeitkonstante des Dampfspei- chers TSP, das heißt seine Kapazität, in Wirklichkeit 50% kleiner ist als im Modell angenom- men. Für eine vorübergehende Leistungserhöhung steht deshalb weniger Dampf zur Verfü- gung, so dass die elektrische Leistung sinkt. Wie in Kapitel 3.6 erläutert, sind die Eingangsgrößen für den Referenzfall und den Fall ohne korrigierenden Prozessregler identisch. Wegen der Begrenzung der Ventilöffnung wird die Fernwärmeauskopplung auch hier reduziert, um die fehlende elektrische Leistung zu ergän- zen. Die veränderte Dynamik des Dampfspeichers hat zur Folge, dass der Frischdampfdruck im realen Prozess etwas schneller absinkt als im Modell. Die dadurch veranlasste Reduzierung der Ventilöffnung bewirkt die geringfügig zu niedrige Generatorleistung. Deswegen erhöht der Leistungsregler die Dampferzeuger-Sollleistung, die den langsamen Anstieg der Genera- torleistung sogar über den Referenzwert hinaus verursacht. Wiederum bleibt die Wärmeleistung von dem gesamten Vorgang unberührt. 119 Bild C.1: Wirkungsweise der korrigierenden Prozessregler bei einer zu hohen Dampfspeicherdynamik während einer 4%igen rampenförmigen Leistungserhöhung yT * [%] 90 92 98 100 b) Dampferzeuger-Sollleistung QDE * [%] 85 95 PG * [%] c) Ist-Generatorleistung Referenz ger. Prozess unger. Prozess 90 92 98 100 d) Frischdampfdruck pFD * [%] 0 50 100 150 200 250 300 350 400 450 500 0 5 20 25 e) Wärmeleistung QH * [%] Zeit [s] o o a) Turbinenventilöffnung 97 98 99 100 101 102 120 C.2 Einfluss einer zu trägen Zwischenüberhitzerdynamik Der geringe Einfluss der Zwischenüberhitzerdynamik ist in Bild C.2 belegt. Bei den Berech- nungen wurde vorausgesetzt, dass die Zeitkonstante des Zwischenüberhitzers TZÜ in Wirklich- keit 50% größer ist als im Modell angenommen. Durch die veränderte Zwischenüberhitzerdynamik steigt die Generatorleistung etwas langsa- mer an als vom Referenzmodell erwartet. Daraufhin erhöht der Leistungsregler die Dampfer- zeugerleistung, die den langsamen Anstieg der Generatorleistung hervorruft. Die Auswirkun- gen dieses Vorganges auf den Frischdampfdruck und die Ventilöffnung sind kaum vorhanden. Auch hier bleibt die Wärmeleistung von dem gesamten Vorgang unberührt. C.3 Einfluss einer zu trägen Entnahmeventildynamik Wie oben erwähnt, wird die Dynamik der verschiedenen Stellglieder zu der Ersatzdynamik des Entnahmeventils zusammengefasst. Da diese Zusammenfassung nicht ganz unproblema- tisch ist, wird nun der Fall untersucht, dass die Zeitkonstante des Entnahmeventils TENT in Wirklichkeit dreimal größer ist als im Modell angenommen. Wie Bild C.3 zeigt, hat diese extreme Variation zur Folge, dass der Entnahmemassenstrom in den Heizkondensator lang- samer sinkt als erwartet und dementsprechend der Massenstrom durch die ND-Turbine sehr viel langsamer ansteigt. Daher steigt die elektrische Leistung etwas langsamer als im Refe- renzfall an, vgl. Bild C.3c. Da sowohl elektrische Leistung als auch die Vorlauftemperatur vom Referenz- bzw. Sollwert abweichen, werden sowohl der Leistungs- als auch der Vor- lauftemperaturregler aktiviert, vgl. Teilbilder b und e. Beide Regler tragen dazu bei, dass die Abweichung der elektrischen Leistung vom Referenzwert beim Einsatz der Korrekturregler etwas niedriger ausfällt als im Fall ohne Korrekturregler. Aufgrund der großen Trägheit des Dampferzeugers fällt die durch den Leistungsregler erreichte Verbesserung allerdings sehr niedrig aus. Angesicht der extremen Parametervariation ist die verbleibende Abweichung sehr gering. Da der reale Frischdampfdruck vorübergehend höher ist als der im Modell berechnete, ver- sucht der Druckregler durch eine weitere Öffnung des Turbinenventils zu reagieren. Da das Turbinenventil aber ohnehin bereits am Anschlag ist, hat der in Teilbild a dargestellte Anstieg über 100% keine Auswirkungen. 121 Bild C.2: Wirkungsweise der korrigierenden Prozessregler bei einer zu trägen Zwischenüberhitzerdynamik während einer 4%igen rampenförmigen Leistungserhöhung yT * [%] 90 92 98 100 b) Dampferzeuger-Sollleistung QDE * [%] 85 95 PG * [%] c) Ist-Generatorleistung Referenz ger. Prozess unger. Prozess 90 92 98 100 d) Frischdampfdruck pFD * [%] 0 50 100 150 200 250 300 350 400 450 500 0 5 20 25 e) Wärmeleistung QH * [%] Zeit [s] o o a) Turbinenventilöffnung 97 98 99 100 101 102 122 Bild C.3: Wirkungsweise der korrigierenden Prozessregler bei einer zu trägen Entnahmeventildynamik während einer 4%igen rampenförmigen Leistungserhöhung yT * [%] 90 92 98 100 b) Dampferzeuger-Sollleistung QDE * [%] 85 95 PG * [%] c) Ist-Generatorleistung Referenz ger. Prozess unger. Prozess 90 92 98 100 d) Frischdampfdruck pFD * [%] 0 50 100 150 200 250 300 350 400 450 500 0 5 20 25 e) Wärmeleistung QH * [%] Zeit [s] o o a) Turbinenventilöffnung 97 98 99 100 101 102 123 C.4 Einfluss einer zu hohen Dynamik des Heizkondensators Als letzter dynamischer Parameter wird die Zeitkonstante des Heizkondensators untersucht, deren Größe ein Maß für die im Heizkondensator gespeicherte Energie ist. Bei den Berech- nungen, deren Ergebnisse in Bild C.4 zu finden sind, wurde angenommen, dass die Zeitkon- stante im realen Prozess halb so groß ist wie im Modell. Daher sinkt die Wärmeleistung in Teilbild e im ungeregelten Fall ohne Korrekturregler schneller als im Referenzfall. Da dieser Vorgang ohne Rückwirkung auf den restlichen Prozess bleibt, entsprechen alle anderen Grö- ßen im Fall ohne Korrekturregler den Referenzgrößen. Bei aktiviertem Korrekturregler ver- sucht der Vorlauftemperaturregler, dem zu schnellen Absinken der Vorlauftemperatur durch das langsamere Schließen des Entnahmeventils zu begegnen. Dadurch steigt jedoch die elekt- rische Leistung langsamer als erforderlich, so dass der Leistungsregler eingreift. In dieser Situation ist der Einsatz des Vorlauftemperaturreglers schädlich, da er eine unnötige Abweichung der elektrischen Leistung von ihrem Referenzwert verursacht, während er im vo- rigen Beispiel der gestörten Entnahmeventildynamik zu einer Verringerung der Leistungsab- weichung beiträgt. Daran zeigt sich, dass die eigentlich sinnvolle Regelgröße der Entnahme- massenstrom ist, der in diesem Beispiel dem Sollwert exakt entspricht, während er im letzten Beispiel eine Abweichung aufweist. In aller Regel wird der Entnahmemassenstrom jedoch nicht gemessen, zumal er öfters nur die äquivalente Zusammenfassung mehrerer Entnahme- massenströme mit unterschiedlichem Enthalpieniveau darstellt. Außerdem tritt das gleiche Problem bei Kraftwerksblöcken mit unterlagerten Vorlauftemperaturreglern auf, bei denen nicht Wärmeleistung, sondern die Vorlauftemperatur Eingangsgröße ist. 124 Bild C.4: Wirkungsweise der korrigierenden Prozessregler bei einer zu hohen Heizkondensatordynamik während einer 4%igen rampenförmigen Leistungserhöhung yT * [%] 90 92 98 100 b) Dampferzeuger-Sollleistung QDE * [%] 85 95 PG * [%] c) Ist-Generatorleistung Referenz ger. Prozess unger. Prozess 90 92 98 100 d) Frischdampfdruck pFD * [%] 0 50 100 150 200 250 300 350 400 450 500 0 5 20 25 e) Wärmeleistung QH * [%] Zeit [s] o o a) Turbinenventilöffnung 97 98 99 100 101 102 125 Lebenslauf von Bernhard Meerbeck Geburt 15.05.70 in Aachen Schulbildung 08/76 - 07/80 Grundschule Reumontstraße, Aachen 08/80 - 05/89 Pius-Gymnasium, Aachen 05/89 Abitur Wehrdienst 10/89 - 09/90 Kfz-Instandsetzung in Volkach/Aachen Studium 10/90 - 09/95 Maschinenbau an der RWTH Aachen 09/93 - 06/94 im Rahmen eines DAAD-Stipendiums: Studium an der University of California at Davis 05/95 - 09/95 Diplomarbeit bei der Siemens AG, Erlangen, Unternehmensbereich Energieerzeugung (KWU) 09/95 Diplom Berufstätigkeit 01/96 - 03/00 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Stuttgart am Institut für Verfahrenstechnik und Dampfkesselwesen, Abteilung Stromerzeugung und Automatisierungstechnik seit 04/00 Siemens AG, Offenbach, Unternehmensbereich Power Generation (PG) Leittechnik-Modernisierung in fossilen Kraftwerken