Please use this identifier to cite or link to this item: http://dx.doi.org/10.18419/opus-10780
Authors: Ritz, Charlotte
Title: Modellierung und Wirkung von Maßnahmen der städtischen Verkehrsplanung
Issue Date: 2019
Publisher: Stuttgart : Institut für Straßen- und Verkehrswesen, Universität Stuttgart
metadata.ubs.publikation.typ: Dissertation
metadata.ubs.publikation.seiten: 319
Series/Report no.: Veröffentlichungen aus dem Institut für Straßen- und Verkehrswesen;57
URI: http://elib.uni-stuttgart.de/handle/11682/10797
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:93-opus-ds-107976
http://dx.doi.org/10.18419/opus-10780
ISBN: 978-3-9816754-7-4
Abstract: Die vorliegende Dissertation befasst sich mit der Modellierung und der Wirkung von Maßnahmen der städtischen Verkehrsplanung. Aufgabe der städtischen Verkehrsplanung ist die Sicherung einer angemessenen Angebotsqualität aller Verkehrsmittel, der Schutz der Umwelt und die Erhaltung und Verbesserung der Lebensqualität der Menschen. Hierfür bedient sich die moderne städtische Verkehrsplanung einer zielorientierten Planung. Der Planungsprozess einer zielorientierten Verkehrsplanung umfasst die Phasen der Orientierung und Problemanalyse, der Maßnahmenuntersuchung, der Abwägung und Entscheidungsfindung sowie der Umsetzung und Wirkungskontrolle. Bei der Maßnahmenuntersuchung sind Wirkungsprognosen zu Maßnahmen von großer Bedeutung, da diese darüber Auskunft geben in welchem Umfang die Zielerreichung möglich ist. Ein Werkzeug zur Berechnung dieser Wirkungen sind Verkehrsnachfragemodelle. Ein Verkehrsnachfragemodell dient dazu, die Entscheidungsprozesse der Menschen nachzubilden, die in einer Ortsveränderung resultieren. Auf diese Weise können die Nachfragewirkungen von Maßnahmen prognostiziert werden. Die städtische Verkehrsplanung kann zur Erreichung Ihrer gesetzten Ziele auf verschiedene Maßnahmen zurückgreifen. Typischerweise zählen hierzu Maßnahmen wie Parkraumbewirtschaftung, Straßennetzgestaltung, Geschwindigkeitsbeschränkungen, Durchfahrtverbote, Ausbau des Radverkehrsnetzes und des ÖV-Angebots. Aktuell gewinnen zudem Sharingangebote, wie z. B. Carsharing in verschiedenen Ausprägungsformen, an Bedeutung, und auch Entwicklungen, wie z. B. neue Antriebstechniken und autonomes Fahren, bieten Raum für Maßnahmen der städtischen Verkehrsplanung. Einschlägige Literatur zum Thema beschäftigt sich vorwiegend mit der Modellierung und Untersuchung der Wirkungen einzelner Maßnahmen oder der Wirkungen einer Vielzahl von Maßnahmen, ohne jedoch im letzten Fall auf die Betrachtung der Modellierungsaspekte einzugehen. Ein zusammenfassender Überblick, der Aussagen sowohl hinsichtlich der Modellanforderungen, der Modellierbarkeit und der Wirkungen einer Vielzahl von Maßnahmen der städtischen Verkehrsplanung trifft, fehlt jedoch. Zielsetzung der vorliegenden Arbeit ist es Anwendern, Planern, Verwaltungen und politischen Entscheidungsträgern aufzuzeigen, wie und in welchem Umfang Verkehrsnachfragemodelle den Planungsprozess der städtischen Verkehrsplanung unterstützen können und welche Maßnahmen hinsichtlich der Zielerreichung am wirkungsvollsten sind. Hierzu bietet die Arbeit, unterstützt durch eine Klassifizierung von Maßnahmen, eine ganzheitliche Betrachtung des rechnergestützen Planungsprozesses. Dies schließt die Betrachtung der Modellanforderungen, der Modellierung, die Wirkungsbetrachtung und den Wirkungsvergleich typischer Maßnahmen ein. Für ausgewählte Maßnahmen der städtischen Verkehrsplanung erfolgt eine Untersuchung der Wirkungszusammenhänge und Wirkungsvermutungen, aus welchen wiederum modelltechnische Anforderungen zur Abbildung der Wirkungen an das Nachfragemodell resultieren. Anhand dieser Anforderungen werden Aussagen darüber getroffen, in welchem Umfang die Wirkungen mit einem Verkehrsnachfragemodell nach dem Stand der Technik der Software sowie dem Stand der Technik der Praxis modelliert werden können. Zudem werden Modellierungsvarianten einzelner Maßnahmen diskutiert. Die Untersuchung der modelltechnischen Anforderungen an Verkehrsnachfragemodelle für die Modellierung städtischer Maßnahmen zeigen, dass nicht für alle Maßnahmen die Wirkungen mit dem Stand der Technik der Praxis oder auch dem Stand der Technik der Software berechnet werden können. Es wird erarbeitet, dass für bestimmte Maßnahmen die Ursachen in der Modellstruktur begründet liegen. Dies kann beispielsweise bei fehlenden Teilmodellen, die bisher nicht in kommerziellen Softwareprodukten verfügbar sind und nur unter großem Zeitaufwand ergänzt werden können, der Fall sein. Für andere Maßnahmen hingegen bleibt festzuhalten, dass fehlende Kenntnisse über die Wirkungen der Maßnahmen, die wiederum zur Anpassung von Parametern notwendig sind, ausschlaggebend für eine mangelnde Modellierbarkeit sein können. Anschließend werden mit dem Verkehrsnachfragemodell der Region Stuttgart, das dem Stand der Technik entspricht, geeignete Maßnahmen und konkrete Maßnahmenfälle untersucht. Es werden Wirkungszusammenhänge und Wirkungsvermutungen aufgezeigt, Einschränkungen der Abbildung dargelegt, die Modellierung der Maßnahmenfälle beschrieben, die resultierenden Wirkungen dargestellt sowie Aussagen zur Ergebnisqualität getroffen. Die für die betrachteten Maßnahmenfälle berechneten Wirkungen liegen in unterschiedlichen Größenordnungen. Die Untersuchung der Ergebnisqualität zeigt auf, dass für alle Maßnahmenfälle Wirkungen berechnet werden können. Einschränkend ist jedoch anzumerken, dass die Streckenbelastungen im MIV und ÖV bei Maßnahmenfällen mit schwachen Wirkungen im Bereich der Modellungenauigkeiten liegen können und daher in der Realität kaum messbar sind. Im Anschluss erfolgt ein Wirkungsvergleich der modellierten Maßnahmenfälle. Die Ergebnisse zeigen, dass Maßnahmen eine Verlagerung vom Umweltverbund (Modi ÖV, Fuß, Rad) hin zum Modus Pkw bewirken, wenn diese die Attraktivität des Modus Pkw steigern. Wird die Attraktivität des Modus Pkw durch Restriktionen, wie z. B. eine City-Maut oder verringerte zulässige Höchstgeschwindigkeiten, gemindert, führt dies zu einer Verlagerung vom Pkw hin zum Umweltverbund. Es wird aufgezeigt, dass eine Steigerung der Attraktivität eines bestimmten Modus des Umweltverbundes auch eine Verlagerung aus den anderen Modi des Umweltverbundes hin zu diesem Modus bewirkt. Danach werden hinsichtlich der Zielerreichung der Maßnahmen beispielhaft die Ziele „Verkehrsverlagerungen hin zum Fuß- und Radverkehr“, „Verkehrsverlagerungen hin zum ÖV“, „Reduktion des motorisierten Verkehrs“ und „Reduzierung der Umweltbelastungen“ betrachtet. Die Wirkungsberechnungen am Beispiel der Region Stuttgart zeigen, dass der Maßnahmenfall „Netzgebühren für die Region Stuttgart“ und der Maßnahmenfall „Reduzierung der ÖV-Fahrpreise um 100 % in der Region“ am effektivsten zur Zielerreichung sind. Aufgrund der vorliegenden Modellstruktur stellen die Wirkungen der Maßnahmenfälle auf den ÖV jedoch ein Potential dar, zu dessen Erreichung ggf. ein Ausbau der Kapazitäten notwendig ist. Der Vergleich von Wirkungsergebnissen konkreter Maßnahmenfälle mit Maßnahmenfällen der Literatur verdeutlicht, dass Wirkungen von Maßnahmenfällen je nach Ausgangssituation und Ausgestaltung des Maßnahmenfalls nicht zwingend in derselben Größenordnung liegen müssen. Abschließend bleibt festzuhalten, dass die vorliegende Arbeit sich auf die Betrachtung der Wirkungen einzelner Maßnahmenfälle beschränkt. Aufgrund möglicher Wechselwirkungen von Maßnahmen untereinander ist es bedeutend, die Wirkungen von Maßnahmenbündeln als solche weiterführend zu untersuchen.
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