Please use this identifier to cite or link to this item: http://dx.doi.org/10.18419/opus-11245
Authors: Karthaus, Carsten Alexander
Title: Methode zur Rückführung von Erprobungswissen in die Produktentwicklung am Beispiel Fahrzeugtriebstrang
Issue Date: 2020
Publisher: Stuttgart : Institut für Konstruktionstechnik und Technisches Design
metadata.ubs.publikation.typ: Dissertation
metadata.ubs.publikation.seiten: XIV, 265
Series/Report no.: Bericht / Institut für Konstruktionstechnik und Technisches Design, Universität Stuttgart;706
URI: http://elib.uni-stuttgart.de/handle/11682/11262
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:93-opus-ds-112622
http://dx.doi.org/10.18419/opus-11245
ISBN: 978-3-946924-17-3
Abstract: Die vorliegende Arbeit beruht auf der Haupthypothese, dass durch einen Methodenbaukasten mit Wissensmanagementmethoden und situativer Methodenauswahl die Rückführung von Erprobungswissen in der industriellen Praxis praxisnah, effektiver und effizienter als bisher gestaltet werden kann. Die Vorgehensweise richtet sich an der Design Research Methodology von Blessing und Chakrabarti aus. Ausgehend von den Forschungsfragen wurden im Stand der Technik die wesentlichen Wissensgebiete „Wissensmanagement“, „Methodische Produktentwicklung“ und „Fahrzeugantriebsstrangentwicklung und Versuchsmethodik“ untersucht. Das Wissensgebiet der „Rückführung von Erprobungswissen in die Produktentwicklung“ ist - zumindest nach dem aktuellen Stand der Forschung und Technik - in der Literatur nicht systematisch und umfassend untersucht. Zudem zeigte sich, dass aufgrund der Interdisziplinarität der Wissensgebiete unterschiedliche Begriffe und Verständnisse vorlagen. Aufgrund der unterschiedlichen praktischen Herangehensweisen mit unterschiedlichen Zielsetzungen und Hintergründen wurden in Kapitel 3 für den Rahmen dieser Arbeit die Begrifflichkeiten „Versuch“, „Test“, „Erprobung“, „Prüfung“ usw. definiert und klassifiziert. Die zentralen Begriffe „Erprobung“, „Erprobungsmethodik“ und „Erprobungswissen“ sind in der Arbeit beschrieben; dazu gehören Definitionen grundlegender Art, die in dieser Weise in der Literatur nicht vorhanden waren. Dabei wurde erläutert, welche Arten und Typen von Wissen während der Erprobung entstehen. Wissensarten und Wissenstypen des Erprobungswissens lassen sich anhand des Erprobungsprozesses strukturierend zuordnen. Die aufgestellten Modelle zur Wissenserzeugung (siehe Kapitel 3.2) in der Erprobung konnten durch Erfahrungen und empirische Untersuchungen bestätigt werden. Die weitere Untersuchung des Erprobungswissens als aus der Erprobung entstehendes Wissen fokussierte sich auf die Ermittlung von Ist-Eigenschaften und Fehlern als zentralen Erprobungszielen. Aus der industriellen Praxis gibt es bis dato kaum Publikationen zu Erfahrungen der Industrie mit diesem Thema; daher sollte eine empirische Untersuchung darüber Klarheit schaffen. Deshalb wurden anhand mehrerer empirischer Studien die dort auftretenden Probleme im Umgang mit Erprobungswissen erfasst. Es stellte sich heraus: Die Nutzung des Erprobungswissens ist in vielen Bereichen als nicht effektiv bewertet worden. Verbesserungspotenziale zeigte insbesondere der Umgang mit Wissen aus Fehlern, wobei hier eine kausale Kette zum Unternehmenserfolg besteht. Ergebnis der Untersuchungen ist ein Referenzmodell, das die Einflussgrößen auf eine effektive Nutzung des Erprobungswissens aufzeigt: Festgestellt werden konnte, dass die effektive Nutzung dieses Wissens durch Probleme oder Situationen beeinträchtigt wird. Die Auswirkungen dieser Probleme auf messbare Erfolgsfaktoren und auf unternehmerische Erfolgsfaktoren sind anhand von Schlüsselfaktoren dargestellt. Eine quantitative Untersuchung der messbaren Erfolgsfaktoren wurde beim Evaluationspartner durchgeführt. Die Erfolgsfaktoren Effizienz und Effektivität konnten anhand dieser messbaren Größen dargestellt werden. Die untersuchte Literatur, die festgelegte Begriffswelt sowie die empirischen Untersuchungen schaffen das grundlegende, disziplinübergreifende Verständnis über den Problembereich. Ausgehend von diesen Untersuchungen wurden die Anforderungen an eine Methode zur Rückführung von Erprobungswissen, ein Ansatz für einen Rückführungsprozess, ein Methodenbaukasten zur Unterstützung dieses Rückführungsprozesses und ein Prozess zur Implementierung und Evaluation dieser Methoden in einem Unternehmen entwickelt. Einzelne Ansätze einer generischen Versuchs- oder Erprobungsmethodik in diesem Wissensgebiet sind in der Literatur zwar vorhanden, der Konkretisierungsgrad dieser Methoden ist aber meist gering; größtenteils werden Prozessschritte nur auf abstrakter Ebene dargestellt. Insbesondere die Entwicklung des Methodenbaukastens ist von zentraler Bedeutung für diese Arbeit. Die Bausteine der Methode zur Rückführung von Erprobungswissen stellen die in dieser Arbeit entwickelte Unterstützung dar, um methodisch die aktuelle Situation zu verbessern. Der Rückführungsprozess selbst ist durch vier wesentliche Prozessschritte („Wissen erzeugen“, „Wissen speichern“, „Wissen verteilen“ und „Wissen nutzen“) realisiert. Die Auswahl der Wissensmanagementmethoden zur Unterstützung des Rückführungsprozesses erfolgt zweistufig über eine situative, praxisnahe Vorauswahl und eine konkrete, objektive Bewertung des Methodeneinsatzes für die jeweilige Situation. Die Unterstützungswerkzeuge, deren Entwicklung und die Einführung der Methoden ins Unternehmen sind gerade bei Methoden des Wissensmanagements von entscheidender Bedeutung. Der praktische Einsatz derartiger Methoden steht und fällt mit der ihrer Unterstützung durch geeignete Werkzeuge: Diese Werkzeuge und vor allem deren Handhabung und Nutzerfreundlichkeit sind entscheidend für die Akzeptanz des Methodeneinsatzes. Die Entwicklung derartiger an die betrieblichen Anforderungen angepasster Tools nimmt bei der Einführung von Methoden und notwendigen Werkzeugen vergleichsweise viel Zeit in Anspruch. Ausgehend von einer Situationsanalyse bei einem Evaluationspartner wurden Methoden anhand des vorgestellten Methodenbaukastens identifiziert und ausgewählt, die eine Verbesserung der Wissensnutzung versprachen. Die Umsetzung, Anpassung, Werkzeugentwicklung und die Einführung ins Unternehmen erfolgten im Anschluss anhand der vorgeschlagenen Prozesse. Für die Verankerung und erfolgreiche Implementierung der Wissensmanagementmethoden im Unternehmen ist ein transparenter Prozess zur Integration der Methoden in Unternehmensabläufe, inklusive Evaluation und kontinuierlicher Verbesserung, vorhanden. Evaluation und kontinuierliche Verbesserung führen zu quantitativen Aussagen und tatsächlichen, messbaren Verbesserungen. Der Erfolg, die Anwendung und die Unterstützung durch die Methode wurden auf unterschiedliche Arten evaluiert. Die Erfolgsevaluation des Methodeneinsatzes erfolgte pilothaft an einem Dauerlaufprüfstand der Automobilindustrie über mehrere Monate. Die Effektivität und die Effizienz dieser Erprobung und der Rückführung von Erprobungswissen konnten durch den Einsatz von WM-Methoden gesteigert werden. Durch die Anwendung der entwickelten Methode wird ein messbarer Erfolg für die Rückführung von Erprobungswissen hinsichtlich Effektivität und Effizienz erzielt, also eine verbesserte Situation erreicht. Die Ergebnisse wurden mit allgemein anerkannten wissenschaftlichen Kriterien kritisch reflektiert. Darüber hinaus unterstützt der Methodeneinsatz den Evaluationspartner bei der Erreichung seiner Ziele im Speziellen durch einen höheren Produktreifegrad und geringere Stillstandzeiten und damit eine höhere Auslastung sowie insgesamt höhere Laufzeiten der Prüfstände. Folglich ergeben sich bei gleichbleibender Laufleistung (und Dauer zum Abfahren dieser Laufleistung) der Prüflinge kürzere einzuplanende Erprobungsdauern. Mit dem frühzeitigen Erkennen, Dokumentieren und Abstellen der Fehler ergibt sich ein höherer Reifegrad der Produkte am Ende einer Erprobung. Mit planbar kürzeren Erprobungsdauern und einem höheren Produktreifegradzuwachs innerhalb eines Entwicklungszykluses oder einer -charge ist langfristig eine Optimierung des Erprobungsportfolios verbunden. Das Resultat sind reduzierte Gesamtentwicklungszeiten, also eine Verkürzung der „Time to Market“ des Produkts. Die Arbeit dient dazu, ein Verständnis für einen neuen Problembereich zu entwickeln, der bis dato in dieser Zusammensetzung der Wissensgebiete wenig untersucht wurde. Zugleich wurde eine Methode zur Unterstützung und Verbesserung der Rückführung von Erprobungswissen erarbeitet. Die analytischen und synthetischen Forschungsfragen konnten durch die gezeigten Untersuchungen, Ergebnisse und deren Diskussion beantwortet und die Hypothesen dieser Arbeit einmalig positiv bestätigt werden.
The main hypothesis of this dissertation is based on the fact that method toolboxes with knowledge management methods and situative method selection lead to a more practical and more efficient recirculation of testing knowledge in industrial practice. The approach for this work is based on Blessing's DRM Methodology including the analysis of the state of the art, the execution of empirical studies, the development of an understanding, the definition of requirements, the development of a new method to improve the situation in the “recirculation of testing knowledge” and the evaluation of the developed method. Depending on the research questions, the main areas of the expertises “knowledge management”, “vehicle powertrain development and testing methods” as well as “methodical product development” were examined according to the state of the art. The documentation in literature about recirculated testing knowledge is quite poor. Furthermore, it is shown, that the interdisciplinarity of these fields of knowledge also includes different concepts and understandings. Central terms of this thesis such as “testing”, “testing methods” and “testing knowledge” are described and defined in the chapter “state of the art”. This partially includes fundamental definitions in the context of this thesis, since there have not been any definitions in literature. Testing knowledge in particular is defined as: “… the knowledge which is provided for a successful realization of the testing process and the knowledge ascertained from testing”. This thesis focuses on the testing knowledge, which is ascertained from testing, and, furthermore, on the actual-properties and the failure of the product as essential testing aims. Due to the lack of literature on this scientific topic, the status in the industrial practice had to be investigated empirically. Therefore, industrial experience with the recirculation of testing knowledge in the engineering industry has not been documented in literature. Due to several empirical studies, problems in handling of testing knowledge were determined. The use of testing knowledge has been evaluated as ineffective in many areas. The greatest opportunity for improvement was particularly identified handling and using testing knowledge from failures. Therefore, a chain of cause and effect was determined. The conclusion of these empirical studies is a reference model which shows the factors influencing the effective use of testing knowledge. This reference model represents the basic understanding within this dissertation. The success factors “efficiency” and “effectiveness” could be represented by measurable variables. The investigated literature, the defined vocabulary of concepts, the nomenclature or terminology and the empirical investigations create the basic interdisciplinary understanding of the problem area, the recirculation of testing knowledge. On the basis of these studies, the requirements for the support of the thesis have been developed. This support includes an approach for a knowledge transfer process for recirculation of testing knowledge, a method toolbox to support this process and a process to implement and evaluate these knowledge management methods in a company. In particular, the development of the method toolbox is of essential importance for this thesis. The selection of knowledge management methods is carried out in two stages by using both a situational and a practical preselection to identify the most promising one and a more concrete objective evaluation of the methods used for the respective situation. The support tools, their development and the introduction of the methods into the company are especially crucial in knowledge management methods. The acceptance of such methods depends on the support of the methods by practical, user-optimized tools. On the basis of a situation analysis of an evaluation partner, knowledge management methods were identified and selected based on the presented method which promised an improvement in the use of testing knowledge. Realization, adaptation, tool development and implementation into the company were then carried out by using the proposed processes. The success, the application and the support of the method were evaluated in different ways. The success evaluation of the method was carried out on a durability test bench of the automotive industry for several months. The effectiveness and efficiency of this test and of the recirculation of test results could be increased by the use of knowledge management methods. This thesis deals with developing an understanding of a new problem area that has not been investigated in this composition of knowledge areas, and, at the same time, with developing a method to improve the situation. The research questions were answered by the shown investigations and results, thus the hypotheses of this dissertation was positively confirmed. In summary, the application of the developed method results in a measurable success for the recirculation of testing knowledge in terms of effectiveness and efficiency.
Appears in Collections:07 Fakultät Konstruktions-, Produktions- und Fahrzeugtechnik

Files in This Item:
File Description SizeFormat 
Dissertation_Carsten-Karthaus.pdf4,19 MBAdobe PDFView/Open


Items in OPUS are protected by copyright, with all rights reserved, unless otherwise indicated.