Please use this identifier to cite or link to this item: http://dx.doi.org/10.18419/opus-97
Authors: Lehnert, Wolfgang
Title: Die Wände der bürgerlichen Wohnarchitektur im Wandel der japanischen Edo-Zeit
Other Titles: Walls in the residential architecture of commoners during the changes of the Japanese Edo-period
Issue Date: 2013
metadata.ubs.publikation.typ: Dissertation
URI: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:93-opus-83378
http://elib.uni-stuttgart.de/handle/11682/114
http://dx.doi.org/10.18419/opus-97
Abstract: Der japanische Architekt Kenzo Tange behauptete 1954, dass die Offenheit der japanischen Gebäude eines der markantesten Merkmale der japanischen Architektur ist und dass sie beim traditionellen Wohnhaus des japanischen Bauern ungewöhnlich ist. Diese vertikale Offenheit in der japanischen Architektur wurde durch die konsequente Anwendung von Wänden mit Schiebeelementen möglich. Die Fachwelt hat sich in diesem Zusammenhang bis heute überwiegend mit den flexibel wandelbaren Wänden aus Schiebetüren auseinandergesetzt. Die Bedeutung von geschlossenen Wänden und ihre Anwendung in den japanischen Wohnhausgrundrissen wurden dabei selten beachtet. In der vorliegenden Studie werden nun feste Wände und geschlossene Fassaden von 40 japanischen Wohnhäusern aus der Edo- Zeit (1603 - 1868) vorgestellt und ausgewertet. Es sind Wandbeispiele von Häusern aus Freilichtmuseen, von Häusern aus historischen Stadtbezirken oder von einzelnen Häusern, die heute am ursprünglichen Standort denkmalgeschützt sind. Die Häuser in denen Bauern, Fischer, Handwerker und Kaufleute während der Edo- Zeit wohnten, werden in der japanischen Sprache mit minka bezeichnet. Es sind Gebäude mit Wänden in Holzfachwerkbauweise. Die Wände sind entweder als sichtbares Fachwerk (shinkabe) oder als verputztes und überdecktes Fachwerk (okabe) ausgeführt. In den Erdgeschossen der minka gibt es bis zu drei unterschiedliche Bereiche. Davon ist der gestampfte Erdfußboden (doma) und der strohbedeckte Erdfußboden (doza) auf Erdbodenniveau und die aufgeständerte Erdgeschossebene yuka befindet sich ungefähr 45 cm über dem Erdfußbodenniveau. Während der Edo-Zeit war es schwierig für Ausländer in Japan zu reisen, weil der Kontakt zum Ausland sehr eingeschränkt war. Eine Ausnahme ist der deutsche Arzt Engelbert Kämpfer (1651 - 1716). Er konnte zum Ende des 17. Jahrhunderts von Nagasaki nach Edo reisen. Seine Wandbeschreibungen von dieser Reise geben noch heute einen realistischen Eindruck von den flexibel wandelbaren Wänden und den Wandkonstruktionen der festen Wände aus der frühen Edo-Zeit. 1877 berichtet der amerikanische Zoologieprofessor Edward Morse als einer der ersten Ausländer bei seinen Beschreibungen zum japanischen Haus über die Wände aus der späten Edo-Zeit. Für ihn besteht der große Unterschied zum amerikanischen Haus darin, dass japanische Häuser an zwei oder mehr Hausseiten keine geschlossenen Wände haben. Bei der Erhebung über die vorgefundenen Wände im Erdgeschoss unterscheidet die Untersuchung zwischen Fassaden an Außenseiten und Wänden im Innenbereich. Die ausgesuchten Minka-Beispiele haben Hausansichten mit geschlossenen Fassaden ohne Wandöffnungen sowie Fassaden mit Wandöffnungen kombiniert mit einzelnen geschlossenen Außenwänden. In den Erdgeschossbereichen doma, doza und yuka werden die Räume durch unterschiedliche Wandbauweisen unterteilt. Es gibt geschlossene Wände, Wände mit kleinen Türöffnungen bei denen ein hoher Wandanteil an Geschlossenheit besteht sowie Wände mit großen, raumbreiten Türöffnungen bei denen ein geringer Wandanteil an Geschlossenheit vorhanden ist. Anhand der Auswertungen über Fassaden und Innenwände wird ein Raum analysiert, der ursprünglich an allen Seiten von geschlossenen Wänden umgeben war. Er wird in Japanisch häufig als nando oder heya bezeichnet. Dieser Raum war in den Erdgeschossbereichen doza oder yuka ein Schlaf- oder Sicherheitsraum. Für den Raum nando oder vergleichbare Räume gibt es in diesen beiden Bereichen drei unterschiedliche Grundrisspositionen. Es ist die "Ecklage" in einer Eckpostion von zwei Außenseiten. Außerdem gibt es die "Seitenlage", bei der sich das nando zwischen anderen Zimmern an einer Außenseite des Hauses befindet. Als dritte Variante war die "Mittellage" im Zentrum eines Hauses vorhanden. Hier war das nando an allen Seiten von anderen Räumen umgeben. In den Ergebnissen wird anhand der Auswertungen nachgewiesen, dass die viel diskutierte Offenheit auch für das traditionelle Haus des japanischen Bauern nicht ungewöhnlich ist. Ebenso zeigen die Ergebnisse wie sich vertikale Öffnung bei ursprünglich geschlossenen Wandpositionen vollzog, obwohl die minka ohne hohe Gartenmauern sind. Auch die angenommene Übernahme von ehemaligen Wandcharakteristiken aus der japanischen Palastarchitektur können die Ergebnisse der Studie nicht bestätigen, weil trotz der Tendenz zu größtmöglicher Offenheit noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts geschlossene Innenwände im yuka vorhanden sind. Die vorliegende Studie stellt eine andere Hypothese vor. Für sie liegen die Hauptgründe, die zu einer größtmöglichen, vertikalen Offenheit in der aufgeständerten Erdgeschossebene (yuka) führten, bei den Wandentwicklungen im Raum nando oder bei ähnlichen Räumen.
In 1954, the Japanese architect Kenzo Tange claimed that the openness of the Japanese building was one of the most striking features in Japanese architecture and that it was unusual for the traditional house of the Japanese farmer. This vertical openness was possible because walls with sliding doors were consequently used. In this context, experts have mainly dealt with the flexible convertible walls with sliding doors up to the present day. But the importance of closed walls and their utilization in the Japanese House was rarely observed. Now this study will present and evaluate solid walls and closed facades from 40 Japanese houses of the Edo period (1603 - 1868). They are examples of walls from houses in open-air museums, in historic urban districts or from individual houses, which are monumentally protected at the original site today. The houses in which farmers, fishermen, craftsmen and merchants lived during the Edo period are referred to in Japanese by the term minka. They are houses with walls in a timber framework structure. It is either a visible framework (shinkabe) or a plastered or faced framework (okabe). The ground floors of the minka have up to three different zones. Among them is an earth-floored area called doma, a straw padded earth-floored area called doza on ground level and a raised floor area called yuka which is about 45 cm above ground level. During the Edo period it was difficult for foreigners to travel in Japan, because the contacts with foreign countries were very limited. One of these exceptions was the German doctor Engelbert Kaempfer (1651 - 1716). In the late 17th century he could travel from Nagasaki to Edo. Even today his descriptions of walls from this journey give a realistic impression of the flexible convertible walls and of the wall constructions with solid walls from early Edo period. In 1877 the American Zoology Professor Edward Morse was one of the first foreigners who reported about the contemporary houses of the late Edo period. For him, the big difference to the American house was that the Japanese house had at least two or more sides without closed walls on the exterior. In the survey about the walls encountered on the ground floor, the investigation distinguishes between facades of the exterior and walls of the interior. The exteriors of the selected minka are constructed with closed facades which have no wall openings, as well as with facades with a combination of wall openings and separate solid walls. In the ground floor areas of doza and yuka, the rooms are partitioned by different wall construction methods. There are closed walls, walls with small door openings and with a large percentage of wholeness and also walls with large door openings as wide as the room and a small percentage of wholeness. Finally, a room is analyzed which was originally surrounded by solid walls on all sides. It is referred to as nando or heya in Japanese. This room was used as a bedroom or security room on the ground floor of doza or yuka. There are three positions for the room nando on these ground floors. It is the “corner position” in a corner of two exterior sides. Also there is the “side position“. This means the nando is placed between other rooms on one exterior side of the house. And the third is the “center position”, where the nando is surrounded on all sides by other rooms. In the assessment of the outcomes on the basis of the evaluations, it is attested that the much discussed openness in the traditional house of the Japanese farmer is not unusual. The outcomes also show how the vertical opening of walls happened at originally closed walls although the minka had no walls around their location. In the same way the outcomes do not confirm the theory of the adoption of former wall characteristics from the Japanese Palace architecture, either. This is because, despite the tendency for a maximum of openness, there were still closed interior walls in the yuka even in the middle of the 19th century. According to the view of this survey, the outcomes introduce a different hypothesis. For them, the main reason which let to maximum vertical openness in raised floor area (yuka) is the development of walls at the room nando or at similar rooms.
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