Please use this identifier to cite or link to this item: http://dx.doi.org/10.18419/opus-5360
Authors: Baumann, Claus Steffen
Title: Was tun wir, wenn wir arbeiten? - Überlegungen zur Formbestimmung von "Arbeit"
Other Titles: What do we do when we work? - Reflections of "work" and "labour"
Issue Date: 2010
metadata.ubs.publikation.typ: Dissertation
URI: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:93-opus-61331
http://elib.uni-stuttgart.de/handle/11682/5377
http://dx.doi.org/10.18419/opus-5360
Abstract: Schon ein erster Blick auf die aktuelle Diskussionen über das »Ende der Arbeitsgesellschaft« zeigt, dass die Plausibilität der Argumente und Diagnosen hinsichtlich der Frage, ob der Gesellschaft wirklich die »Arbeit« ausgeht oder nicht, davon abhängt, was überhaupt unter »Arbeit« im Allgemeinen und des Weiteren unter »Erwerbs-« beziehungsweise »Lohnarbeit« im Besonderen zu verstehen ist. Die vielfach diagnostizierte »Krise der Arbeitsgesellschaft« offenbart zunächst vor allem eine Krise des Begriffs »Arbeit«. Dies zeigt sich beispielsweise daran, dass das »Arbeiten« auf der einen Seite eng verknüpft mit »Sinnstiftung des individuellen Lebens« wahrgenommen wird, weshalb sich »Arbeitslosigkeit« in der individuellen Selbstwahrnehmung häufig mit einem Gefühl von »Nutzlosigkeit« verbindet, während »Arbeitslose« jedoch in der Fremdwahrnehmung als »Arbeitsunwillige« erscheinen. Zahlreiche Autoren weisen eindringlich darauf hin, dass sich »Arbeitslosigkeit« in den modernen Industrienationen für die Betroffenen in gewisser Weise als »sozialer Tod« darstellt. Eine staatliche Sozial- und Beschäftigungspolitik, die sich in der Regel am Ideal der »Vollbeschäftigung« orientiert, versucht möglicher »Massenarbeitslosigkeit« und einigen ihrer sozialen Begleiterscheinungen entgegenzuwirken. Angesichts von Diagnosen oder Szenarien aber, die ein »Ende der Arbeitsgesellschaft« feststellen oder gar das »Ende der Arbeit« überhaupt prognostizieren, stellt sich demgegenüber eine solche Politik als ein sinnloses Unterfangen und gewissermaßen als ein »Kampf gegen Windmühlen« dar. Begründet werden derartige Einschätzungen mit den konstatierbaren qualitativen Umwälzungen von Wirtschaft und Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten, dem Anwachsen eines sogenannten »Dienstleistungssektors«, einem Wandel des »Arbeitsmarktes«, der nicht zuletzt bedingt ist durch strukturelle Veränderungen der betrieblichen Arbeitsorganisation sowie weiteren technologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Einerseits stellt sich in großen Teilen gesellschaftspolitischer Debatten »Arbeit« und ein gesellschaftlich »gutes Leben« als miteinander untrennbar verbunden dar, während andererseits betriebsorganisatorische und unternehmerische Rationalisierungen sowie zunehmende technische Automation betrieblicher Arbeitsprozesse »menschliches Arbeiten« entbehrlich zu machen scheint. Noch viel grundsätzlicher drängt sich eine Klärung des Begriffs »Arbeit« bei der Erörterung der Frage auf, ob sich »Arbeit« den Menschen als etwas prinzipiell Unaufhebbares darstellt; eine Annahme, die sich dann als begriffliche Notwendigkeit darstellt, wenn mit »Arbeit« das »Menschsein« schlechthin verbunden wird. Dagegen ist die »Aufhebung der Arbeit« denkbar, wenn die Frage, was der Mensch sei, eben nicht mit »Arbeit« in Verbindung gebracht wird. Wenn – wie üblich – eine solche Fragestellung im Allgemeinen als eine »philosophische« gilt, dann zeigt bereits die gerade dargestellte Skizze der Diskussionen um »Arbeit«, dass sich bei diesem Thema politische, ökonomische, sozialwissenschaftliche sowie philosophische Perspektiven überschneiden. Obwohl »Arbeit« im alltäglichen, politischen und wirtschaftlichen Leben der Menschen zumeist als ein wichtiges Thema erscheint, ist sie lange Zeit kaum noch als ein, der philosophischen Betrachtung würdiger Gegenstand erachtet worden. Aber ein Blick auf die jüngsten sozialphilosophischen Veröffentlichungen zeigt, dass die philosophische Relevanz des Begriffs »Arbeit« inzwischen – gerade vor dem Hintergrund der vielfach diagnostizierten krisenhaften Gesellschaftssituation in den letzten Dekaden – eine Aufwertung erfährt. Auch die vorliegende Abhandlung möchte diesbezüglich einen Beitrag leisten; ihr Titel »Was tun wir, wenn wir arbeiten?« – der gleichsam ihre programmatische Leitfrage stellt – weist dabei auf ein begriffssystematisches Vorgehen hin, bei dem »Arbeit« als bestimmte Form der Tätigkeit zu rekonstruieren und zu reflektieren ist.
A first glance at the present discussion concerning »the end of the working society« already shows that the plausible arguments and diagnoses about whether society really runs out of »work« or not largely depends on what is meant by the term »work« in general and »gainful occupation« or »hired labour« in particular. The manifold diagnosed »crisis of the working society« initially discloses, above all, the crises of the term »work«. This is revealed, for instance, by the fact that »working« is strongly connected to »endowing an individual’s life with meaning« since »unemployment«, in a personal conception, is often experienced as a feeling of »uselessness«, while in an onlooker’s conception it might be perceived as the »unwillingness to work«. Several writers demonstrate in drastic words that in modern industrial nations »unemployment« means more or less a person’s »social death«. Welfare and employment policies, geared to »full employment«, attempt to counteract »mass unemployment« and some of their social side-effects. However, in light of diagnoses or scenarios stating »the end of the working society« or even »the end of work« altogether, these types of policies constitute a futile attempt or a quixotic »battle against windmills«. Such considerations are justified by the noticeably qualitative upheavals of economy and society in the last decades, the increase of a commonly known »sector supplying services«, by a modification in the employment market, which is not only caused by structural changes of the work organization but also due to technological, economical and societal developments. On the one hand »work« and a »good life« in societal terms present themselves in most socio-political debates as intrinsically connected, while, on the other hand, the organisation of labour and entrepreneurial economisations as well as technical automation of more and more work processes seem to render »human labour« dispensable. It is even more fundamental to clarify the term »work« in discussing the question whether »labour« symbolizes something principally non-abolishable to human beings, an assumption which represents thus a conceptual necessity when it is connected directly to the idea of being human. This notion can be overcome, however, if the question of what is essentially human is not linked to the idea of »labour«. In general such a question is considered a philosophical one; however, this just portrayed delineation of discussions concerning the notion of »work« shows that as far as this topic is concerned political, economical and socio-scientific perspectives overlap. Although »work« is considered an important topic in the quotidian, political and economic life of human beings, it has not been considered a worthy object for philosophical considerations for a long period of time; nevertheless, one glance at the most recent socio-philosophical publications proves that the notion of »work« as regards a philosophically relevant term is presently being upgraded, particularly in light of the frequently diagnosed crisis in society in the last decades. This scholarly piece intends to make a contribution concerning this matter. Its title: »What do we do when we work?« asks the central programmatic question and indicates the conceptually systematic approach reconstructing and reflecting on the notion of »labour« as a specific mode of occupation.
Appears in Collections:09 Philosophisch-historische Fakultät

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