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Authors: Gaspers, Lutz
Title: Siedlungsflächeninanspruchnahme in Abhängigkeit von Erreichbarkeitsverhältnissen und Umweltqualitäten : eine empirische Untersuchung anhand der Siedlungsstrukturentwicklung in der Region Stuttgart
Other Titles: Transfer of land for settlement use, depending on accessibility relations and environmental qualities
Issue Date: 2010
metadata.ubs.publikation.typ: Dissertation
URI: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:93-opus-51046
http://elib.uni-stuttgart.de/handle/11682/346
http://dx.doi.org/10.18419/opus-329
Abstract: Der räumliche Entwicklungsprozess in Stadtregionen und deren Umland in Deutschland ist nach wie vor durch eine starke Flächenneuinanspruchnahme charakterisiert. Derzeit (im Jahr 2009) werden - statistisch gesehen - täglich rd. 96 Hektar Fläche als Verkehrs- und Siedlungsfläche neu ausgewiesen. Der größte Teil dieser Fläche wird für Wohnzwecke in Anspruch genommen. Dem Prozess der Flächenneuinanspruchnahme kommt eine immer stärkere Bedeutung zu, nicht nur weil Grund und Boden eine knappe und begrenzte Ressource ist. Aus ökologischen als auch aus wirtschaftlichen Gründen bedarf es Veränderungen beim Prozess der Neuflächeninanspruchnahme. Seit der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1992 und dem dort formulierten Ziel einer Nachhaltigen Entwicklung werden nationale Programme aufgestellt, in denen Wege und Ziele zu deren Zielerreichung formuliert sind. In Deutschland wurde dazu 2002 von der Bundesregierung eine Nationale Nachhaltigkeitsstrategie vorgelegt, in der eine Reduzierung der Neuinanspruchnahme von Flächen zu Siedlungs- und Verkehrszwecken bis 2020 auf 30 Hektar täglich formuliert wurde. Um solche Ziele erreichen zu können ist es wichtig, Zusammenhänge und Wechselwirkungen der räumlichen Entwicklung zu erkennen. Im ersten Teil dieser Arbeit werden theoretische Ansätze zur Erklärung der räumlichen Entwicklung erläutert und es wird der Prozess der regionalen Entwicklung in Deutschland dargestellt. Dem Leitbild der dezentralen Konzentration und ihre Umsetzung im Planungssystem der Bundesrepublik kommt dabei eine bedeutende Rolle zu. Durch die Analyse von theoretischen Ansätzen und empirischen Studien werden die Motivationen für die Entscheidungsfindung eingegrenzt und die Bedeutung von Umweltqualitäten und Erreichbarkeitskriterien werden daraus abgeleitet. Dies veranlasst zur Formulierung von Hypothesen, in denen Erreichbarkeitskriterien und Umweltqualitäten unterschiedlich starke Bedeutungen bei der Flächenneuinanspruchnahme zukommen. Es wird untersucht, ob entweder Erreichbarkeitskriterien stärkere Bedeutung besitzen (Hypothese 1) oder die Umweltqualitäten als wesentliche Faktoren gelten (Hypothese 2) oder beide Kriterien starke Einflüsse auf die Entscheidung zur Flächeninanspruchnahme ausüben (Hypothese 3) bzw. ob primär andere Faktoren bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden (Hypothese 4). Diese Hypothesen werden hinsichtlich ihrer Gültigkeit anhand der Siedlungsentwicklung eines Untersuchungsraums überprüft. Dazu wurde die Region Stuttgart ausgewählt und zu Analysezwecken in 624 Untersuchungseinheiten unterteilt. Bei der Untersuchung konnten Daten eines bereits früher durchgeführten Forschungsprojekts (WUMS-Projekt) einbezogen werden. Die Analyse der Entwicklung der Siedlungsstruktur über einen längeren Untersuchungszeitraum in der Region Stuttgart zeigt für diese 624 Untersuchungseinheiten verschiedene Trends. Untersuchungseinheiten mit hohen Umfängen an Flächenneuinanspruchnahme konnten identifiziert werden und den in den räumlichen Plänen definierten Ziel-Situationen gegenübergestellt werden. Es gibt Gründe, warum in bestimmten Untersuchungseinheiten Flächenneuinanspruchnahme im größeren Umfang erfolgte als in anderen. Für diese Untersuchungseinheiten wurde eine detaillierte Untersuchung mit Hilfe von Indikatoren, über die Erreichbarkeitskriterien als auch Umweltqualitäten beschreiben werden, durchgeführt. Mit Hilfe statistischer Analysen wird die Gültigkeit der Hypothesen überprüft. Die Tests weisen darauf hin, dass weder Erreichbarkeitsverhältnisse noch Umweltqualitäten allein die Entscheidungen zur Flächenneuinanspruchnahme beeinflussen. Die Tests zeigen jedoch, dass Untersuchungseinheiten mit höheren Umfängen an Flächenneuinanspruchnahme über relativ bessere Erreichbarkeitsverhältnisse und bessere Umweltbedingungen verfügen. Hypothese 1 und 2 muss deshalb verworfen werden. Die Entwicklung im Untersuchungsraum kann besser durch Hypothese 3 bzw. Hypothese 4 erklärt werden. Darüber hinaus existieren noch andere Kriterien, die auch die Entwicklung beeinflussen. Aufgrund der verfügbaren Daten konnten für die dieser Untersuchung zu Grunde gelegten Untersuchungseinheiten keine weiteren Kriterien untersucht werden. Dennoch zeigt diese Untersuchung anhand der empirischen Analysen, dass Erreichbarkeitskriterien und Umweltqualitäten wichtige Einflussgrößen bei Flächennutzungsentscheidungen darstellen. Es werden die Kriterien herausgestellt, auf die durch planerische Instrumente Einfluss genommen werden kann. Andere Kriterien – überwiegend aus dem sozialen Bereich - entziehen sich nahezu völlig der Einflussnahme durch planerische Instrumente. Das Wissen über diese Kriterien stellt eine wesentliche Grundlage zur Akzeptanz und Durchsetzbarkeit räumlicher Planungen dar.
The development of settlement structure in Germany is characterized by the transfer of land from other uses to settlement uses. In the year 2009, the average daily conversion of land from other uses to settlement and transportation uses in Germany amounted to 105 hectares (240 acres). Most of the acreage is used for housing purposes. Since land is a limited resource, the process and quantity of land consumption needs to be carefully controlled. Ecological as well as economic reasons require changes in land development trends. Since the UN Conference on Environment and Development in Rio de Janeiro in 1992, a target for a sustainability-oriented development was established. For the successful enforcement of a sustainable development program, the knowledge of the relationships and interactions of the spatial development process are necessary. In the first part of this study the process of regional development in Germany is introduced and concepts for spatial development explained. The principle of de-centralized concentration (dezentrale Konzentration) and its implementation in the federal planning system plays an important role. The defined target for spatial development in Germany is described and is compared with actual development in Germany. By analyzing theoretical approaches and empirical studies, the basis for decision making is established. The importance of environmental conditions and accessibility is then revealed. This induced the formulation of hypotheses. Accessibility and environment have different importance in the hypotheses on decision making about land use. Either accessibility plays an important role (hypothesis 1) or environment is the important factor (hypothesis 2) or both are important (hypothesis 3) or other factors are more important in decision making (hypothesis 4). To confirm or reject these hypotheses it is necessary to analyze a study area. The Stuttgart region is chosen for the case study. The region is divided into 624 units for the analysis. Much of the data is already developed in a former research project (WUMS project) and some of that data is used in this study. The development of the settlement structure in the Stuttgart region is analyzed for various units over periods of two to three decades and compared with the defined target situation. Development plans from earlier times are included in the analysis to identify the units originally defined for development and for non-development in the regional plan. In this way the determination is made where high quantities of land were developed as compared to the regional plan. These units are interesting for further study since there are reasons why the specific developments took place within their boundaries. The analysis of these spatial units is done using indicators that describe accessibility and environmental conditions. Statistical analyses are used to prove the validity of the hypotheses. The tests indicate that neither accessibly only nor environmental conditions only sufficiently describe land use decisions. The tests show, however, that units with higher amounts on land use decisions have relatively better accessibility and better environmental conditions. Hypotheses 1 and 2 could therefore be eliminated. Development is better explained using hypothesis 3 and hypothesis 4, both of which most closely explain the development situation. Other criteria influence development as well. The size of the study area and the available data are not suitable to identify these other criteria. Nevertheless, this study shows, on the basis of empirical analyses, accessibility and environment are important influences on land use decisions. It is therefore useful that planners are knowledgeable about these factors on which they can exert influence through the planning process. It is recognized that planners have virtually no influence over other mostly social factors. This knowledge about factors that can be influenced is necessary to develop plans that are most consistent with community preferences.
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