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Authors: Kühnle, Rüdiger Paul
Title: Paul Rudolph und die zweite Generation der amerikanischen Moderne
Other Titles: Paul Rudolph and the second generation of American modern architecture
Issue Date: 2005
metadata.ubs.publikation.typ: Dissertation
URI: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:93-opus-26325
http://elib.uni-stuttgart.de/handle/11682/55
http://dx.doi.org/10.18419/opus-38
Abstract: Der amerikanische Architekt Paul Marvin Rudolph (1918-97) kann als "führendes Mitglied" (Jeanne Davern) der zweiten Generation moderner Architekten in den USA gelten. Als Absolvent der Graduate School of Design unter Walter Gropius gelangte er in den 50er Jahren schnell zu Ruhm, realisierte in den 60er Jahren eine Reihe einflussreicher Bauten und fiel schließlich mit Beginn der 70er Jahre rasch in Vergessenheit. Dieser bemerkenswert "kurze Ruhm" (Kurt W. Forster) steht nicht nur im Gegensatz zu den Lebensläufen vieler bekannter Architekten der Gegenwart, sondern macht Rudolph auch zu einem geeigneten Vehikel, um den Wandel der architektonischen Leitbilder in den USA zwischen 1945 und 1980 an einer konkreten Karriere zu verorten. Die vorliegende Arbeit ist als Ergänzung der in den letzten Jahren erschienen Monographien zu verstehen, die sich sowohl mit Rudolphs Frühwerk in Florida als auch seinem überwiegend in Asien entstandenen Spätwerk beschäftigt haben. Dazwischen klafft in der Aufarbeitung jedoch eine Lücke, so dass zur Beschäftigung mit Rudolphs produktiven mittleren Jahren noch immer auf die lange schon vergriffenen Monographien von Rupert Spade und Sibyl Moholy-Nagy aus den frühen 70er Jahren zurückgegriffen werden muss. Ein Ziel der Arbeit ist es, diese für Rudolph wichtige Schaffensphase zu würdigen, sie in den Kontext der amerikanischen Moderne der 50er und 60er Jahre zu stellen und dabei auch Rudolphs heute weitgehend vergessene Schriften mit einzubeziehen. Darüber hinaus wird Rudolphs Werk in Abweichung von den vorliegenden monographischen Aufarbeitungen jedoch nicht nur auf primäre formale und stilistische Charakteristika hin untersucht. Vielmehr wird seine Karriere - im Sinne eines sozialgeschichtlichen Ansatzes - auch als Resultat des Leitbildwandels im architektonischen und gesellschaftlichen Überbau seiner Zeit begriffen, infolge dessen er zunächst als junger Hoffnungsträger, eine Dekade später jedoch - in den Augen einer abermals jüngeren Generation - bereits als Exponent einer veralteten Richtung galt, dessen Schaffen für die Ära nach Vietnam-Krieg und Studentenbewegung weitgehend als "irrelevant" (so Robert Venturi) zu gelten hatte. Um Rudolphs Stellung innerhalb dieses Paradigmenwechsel von der Moderne zur Postmoderne besser einordnen zu können, wird Rudolphs Entwicklung in eine synoptische Erzählung aus Architektur-, Städtebau- und Sozialgeschichte eingebettet, die ausführlich auch ausgewählte Architekten, Kritiker und Journalisten seiner Epoche als Vergleichsmodelle berücksichtigt. Rudolph und seine Zeitgenossen werden dabei - im Sinne Arnold Hausers - sowohl als "Produkte" als auch als "Produzenten" ihrer Gesellschaft begriffen, deren praktisches und theoretisches Wirken nicht von der gesellschaftlichen Wirklichkeit und den in ihr wirksamen Kräften abstrahiert werden können. Da die Sprache als recht unmittelbarer Ausdruck des Anschauungssystems einer Epoche aufgefasst werden kann, gilt die Aufmerksamkeit insbesondere dem Wandel der Rezeption Rudolphs und seiner Bauten in Architekturkritik und -geschichtsschreibung. Berücksichtigt werden soll in diesem Zusammenhang auch die Wiederentdeckung Rudolphs seit Mitte der 80er Jahre, die ihn jedoch vorrangig für Kritik an der Postmoderne instrumentalisiert und seinen Beitrag - im Positiven wie im Negativen - teilweise verzerrt wiedergegeben hat. Nachdem die Architektur der 50er Jahre in den vergangenen Jahren bereits eine Neubewertung erfahren hat, steht dies für die 60er und 70er Jahre noch weitgehend aus. Im öffentlichen Bewusstsein genießt die Architektur dieser Zeit nur eine geringe Wertschätzung und scheint vor allem von vielfältigen "Bausünden" geprägt zu sein, was in der Praxis bereits zu wenig rücksichtsvollen Sanierungen oder zum Abriss geführt hat. So liegt die Chance einer Aufarbeitung von Rudolphs ebenso skulpturaler wie sinnlicher Architektur auch darin, dass die Beiträge seiner Generation wieder stärker ins aktuelle Blickfeld rücken und, vom spezifischen Geschmack ihres Entstehungskontextes ebenso gelöst wie von der überwiegend ablehnenden Rezeption der späten 70er und der frühen 80er Jahre, wieder neu gewürdigt werden können. Eine zeitgemäße Betrachtung und vielleicht sogar eine neue Wertschätzung können nicht zuletzt zu einem positiveren Umgang mit dem zunehmend sanierungsbedürftigen Erbe dieser Architekturepoche beitragen.
The American architect Paul Marvin Rudolph (1918-97) can be regarded as a "leading member" (Jeanne Davern) of the second generation of modern Architects in the United States. A graduate of Walter Gropius' Graduate School of Design, he became a celebrated and widely published architect during the 1950s and enjoyed a growing number of important commissions in the 1960s, until he rapidly vanished from the public as well as from the architectural community's view during the early 1970s. This remarkably "short fame" (Kurt W. Forster) contrasts sharply with the careers of today's leading practitioners, and it allows Rudolph's career to be taken as an adequate vehicle to investigate the changing attitudes and paradigms in American architecture between 1945 and 1980. My thesis complements the recent monographs on Rudolph which have exclusively focused either on his early work in Florida or on his late work in Asia. Regarding his very productive middle years however, Rupert Spade's and Sibyl Moholy-Nagy's monographs from the early 1970s, long out of print, have remained the only comprehensive appraisals to this day. Therefore, my first aim is to critically assess this important phase in Rudolph's career and to shed a light on his contribution to the middle years of American modern architecture, not only in terms of his built work, but also in terms of his writings, which have not yet been evaluated in a comprehensive manner. Secondly however, I will demonstrate that the course of Rudolph's career can be regarded as a result of the paradigm shift that occurred during the late 1960s and early 1970s, a shift that transformed American architecture and society alike and also affected Rudolph's reputation. Regarded as the most promising architect of his generation only a decade earlier, his work was now considered an outdated model, more or less "irrelevant" (as Robert Venturi put it) to a younger generation of architects in the post-student-movement and post-Vietnam-War era. In order to assess Rudolph's role within these shifting attitudes, my investigation takes a synoptical approach and provides a narrative both of his career until 1980 and of the broader developments within the field of architecture and urban planning, and parallels both with the social history of the specific period. Following Arnold Hauser, Rudolph and his contemporaries are regarded equally as creators and creations of their era whose life and work cannot be abstracted from the forces at play in societal context. To reflect this context, I will extensively cite contemporary critique and opinion in order to illustrate their changing attitudes as well as their changing rhetoric. In this regard, attention will be given also to Rudolph's reemergence during the growing reaction against Post-Modernism in the 1980s, when he was often used as a vehicle for criticism that led to distorted assessments of his achievements as well as of his failures. In conclusion, I wish to argue for a new appreciation of Rudolph's highly sculptural and even sensual approach to architecture which is no longer burdened by thirty-year-old opinions that have caused its built examples to be neglected and sometimes even to be destroyed - a fate that Rudolph's buildings share with architecture of the 1960s in general. But, as Susan Sontag has argued, passing time liberates an object from its immediate "moral relevance", and a new, contemporary appraisal of Rudolph's work can therefore reach beyond the largely negative view of the late 1970s and early 1980s. Such reassessment could help us better understand the architecture of Rudolph's era in general, and maybe even a lead to new sympathy - resulting, hopefully, in a more positive interaction with the architectural heritage of the 1960s, which is more and more in need of rehabilitation.
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