Please use this identifier to cite or link to this item: http://dx.doi.org/10.18419/opus-5646
Authors: Thurn, Julia
Title: (In)aktiv aus Gewohnheit? : theoretische und empirische Fundierung des Konstrukts Gewohnheit und Validierung des deutschsprachigen Self Report Habit Index für körperliche Aktivität
Other Titles: Habitual (in)activity : grounding the habit construct theoretically and empirically and validating the German version of the 'Self Report Habit Index' for physical activity
Issue Date: 2014
metadata.ubs.publikation.typ: Dissertation
URI: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:93-opus-90923
http://elib.uni-stuttgart.de/handle/11682/5663
http://dx.doi.org/10.18419/opus-5646
Abstract: Interventionsprogramme zur Förderung körperlicher Aktivität werden wegen mangelndem langfristigem und nachhaltigem Erfolg kritisiert (Foster et al., 2005). Wichtige Hinweise für eine erfolgreiche langfristige Verhaltensänderung liefern die Merkmale einer Gewohnheit, die maßgeblich das alltägliche Verhalten bestimmen. Die Definition und Operationalisierung einer Gewohnheit und deren Bedeutung für Gesundheitsverhalten im Allgemeinen und für körperliche Aktivität im Speziellen wird kontrovers diskutiert und ist nicht hinreichend erforscht (Ajzen, 2002; Maddux, 1997; Sniehotta & Presseau, 2011). Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, das Konstrukt Gewohnheit besser zu verstehen und dessen Bedeutung für körperliche Aktivität zu untersuchen. Dazu wurde das Konstrukt Gewohnheit theoretisch fundiert und definiert. Dessen bedeutende Merkmale wurden herausgearbeitet und das Konstrukt wurde in sozial-kognitive Modelle des Gesundheitsverhaltens eingeordnet. Weiter wurde das Konstrukt Gewohnheit für körperliche Aktivität in Teilstudien empirisch überprüft. Zum einen wurde mit einem längsschnittlichen Design mittels Regressionsanalysen untersucht, ob die Gewohnheitsstärke körperliche Aktivität vorhersagt. Zum anderen wurde die Gewohnheitsstärke körperlicher Aktivität von Personen in unterschiedlichen Stadien der Verhaltensänderung des Transtheoretischen Modells (Prochaska & Velicer, 1997) mittels Varianzanalyse untersucht. Für die empirischen Teilstudien wurde der Self Report Habit Index (SRHI) (Verplanken & Orbell, 2003), zur Erfassung der Gewohnheitsstärke, zunächst ins Deutsche übersetzt und adaptiert (dSRHI) und anschließend auf seine Güte hin überprüft. Die Reliabilität wurde mittels Cronbachs Alpha und Retest überprüft, die Validität mittels Korrelationen des dSRHI und körperlicher Aktivität sowie der Gewohnheitsstärke eines alternativen Erhebungsinstruments (Wood, Quinn & Kashy, 2002). Die vorliegende Arbeit definiert Gewohnheit als eine gelernte Disposition, ein Verhalten, aufgrund von bestimmten Reizen des situativen Kontextes, zu wiederholen. Diese Reize lösen das Verhalten automatisch aus. Für körperliche Aktivität bedeutet eine starke Gewohnheit folglich, dass diese automatisch initiiert und häufig und regelmäßig wiederholt wird. Sie wird nicht durch eine Intention gesteuert, sondern durch den situativen Kontext geleitet. Eine starke Gewohnheit bewirkt, dass körperliche Aktivität Teil des eigenen Lebensstils ist und langfristig aufrecht erhalten werden kann. Die Überprüfung der Reliabilität und Validität des dSRHI ergab, dass die Gewohnheit ein stabiles Konstrukt ist, das über die Gewohnheitsstärke operationalisiert werden kann. Der dSRHI misst die Gewohnheitsstärke für körperliche Aktivität reliabel und valide. Die Items der beiden Skalen weisen überwiegend mittlere Schwierigkeiten und hohe Trennschärfen auf. Eine hohe interne Konsistenz und ausreichend hohe Retest-Reliabilität bestätigen die Messgenauigkeit des dSRHI. Hauptkomponentenanalysen ergaben eine eindimensionale Struktur der Skala. Geringe bis moderate Zusammenhänge sowohl zwischen der Gewohnheitsstärke und körperlicher Aktivität als auch zwischen den alternativen Erhebungsinstrumenten bestätigen die konvergente und diskriminante Validität des dSRHI. Die Regressionsanalyse zur Vorhersage körperlicher Aktivität ergab, dass die Gewohnheitsstärke moderat und hoch intensive körperliche Aktivität vorhersagt. Die Varianzanalyse ergab signifikante Unterschiede der Gewohnheitsstärke in den präaktionalen und aktionalen Stadien der Verhaltensänderung sowie in den Stadien Handlung und Aufrechterhaltung. Dies deutet darauf hin, dass die Gewohnheitsstärke kein diskretes Phänomen, sondern graduell abgestuft und bedeutend für die Aufrechterhaltung körperlicher Aktivität ist. Das Konstrukt Gewohnheit liefert wichtige Hinweise zu evidenzbasierten Methoden und Techniken, die in Interventionen zur Förderung körperlicher Aktivität stärker berücksichtigt und im Längsschnitt überprüft werden sollten. Weiteren Forschungsbedarf gibt es außerdem zu der Erfassung der Gewohnheitsstärke: Die Items des (d)SRHI zur Automatizität sollten konzeptionell und empirisch überprüft werden. Darüber hinaus ist eine Ergänzung mit Items zu Hinweisreizen des situativen Kontextes zu diskutieren.
Interventions promoting physical activity often fail to achieve long term behaviour change (Foster et al., 2005). Most of our activities in daily life are habitual. Thus, features of habits are presumably important in the modification of physical activity habits (Hillsdon, Foster, & Thorogood, 2005). There is a debate about the definition and operationalisation of habits and a need for further investigations of their meaning for health behaviour in general and for physical activity in particular (Ajzen, 2002; Maddux, 1997; Sniehotta & Presseau, 2011). This thesis aims to better understand the habit construct and to examine its meaning for physical activity. Therefore the habit construct was based on theory and with regards to content. Habit was defined, important features were elaborated and its meaning in social-cognitive models of health behaviour was discussed. In empirical studies the habit construct was investigated with regard to physical activity. First regression analyses explored whether habit strength predicts physical activity. Second variance analyses examined the differences in habit strength between persons of different stages of change, measured by the TTM (Prochaska & Velicer, 1997). The Self Report Habit Index (Verplanken & Orbell, 2003), measuring habit strength, was translated into German (dSRHI) and adapted for the empirical studies at first and validated subsequently. Reliability was assessed by Cronbachs Alpha and test- re-test. Validity was assessed by correlations between habit strength and physical activity as well as habit strength, measured by an alternative method (Wood, Quinn & Kashy, 2002). For the purpose of this thesis habit is defined as a learned disposition to repeat a behaviour because of certain cues of the situational context. The behaviour is initiated automatically by these cues. A strong habit for physical activity means that it was repeated often and regularly and is initiated automatically. It is controlled by the situational context instead of by intentions. It expresses identity and is stable over time. The results of the studies show that habit is a stable construct and can be measured by habit strength. The dSRHI measures habit strength for physical activity reliable and valid. The items show moderate item difficulty and high item-total correlation. High internal consistency and reasonable re-test-reliability were attested. Principle component analyses confirmed a one-factor structure. Low to moderate associations between the dSRHI and physical activity as well as habit strength measured by context stability and frequency (Wood et al., 2002) confirm the validity of the dSRHI. Regression analyses showed that habit strength of physical activity predicts moderate and vigorous intense physical activity. Variance analyses showed significant differences between habit strength in pre-actional and actional stages and between the stages action and maintenance (Prochaska & Velicer, 1997). This indicates that habit strength is not a discrete phenomena, but incremental and important for the maintenance of physical activity. The construct of habit is important for evidence based methods and techniques, which should be considered in physical activity interventions and explored in a longitudinal research design. There is a need for further investigations in measuring habit strength: Items of the (d)SRHI concerning automaticity should be investigated conceptually as well as empirically. Furthermore, additional items concerning cues of the situational context should be discussed.
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